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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Z78 Dritter Abschnitt: Die sozialen Amstände

In Guienne liegt der Weinhandel in ihren Händen; in zweiGouvernements (cZe krousZe et ä'OIewn) hat ein DutzendFamilien das Monopol des Salz- und Weinhandels; in Sancerresind sie nach Aussage des Intendantenden Katholiken an Zahl,Reichtum und Bedeutung überlegen". In der Generalite vonAlencon beherrschen 4000 Protestanten fast den gesamten Handel.Dasselbe Bild in Rouen, Caen, Nimes , Metz.

Den auswärtigen Handel trieben sie am liebsten nach Kollandund Großbritannien , und die Holländer und Engländer machtenam liebsten mit ihnen Geschäfte, weil sie mehr Vertrauen zuihnen hatten, wie zu den Katholiken meint Benoit.

Auch als Bankiers begegnen wir zahlreichen Reformiertenim damaligen Frankreich , und gern übernehmen sie auch Steuer-pachten, zu denen sie zugelassen waren. Man weiß, daß Colbertsich sehr sträubte gegen die Edikte, die ihre Verwendung in derSteuerverwaltung verboten.

So daß man sich dem Arteil Rankes über die wirtschaftlicheStellung der protestantischen Ketzer im Frankreich des 17. Jahr-hunderts wohl wird anschließen dürfen, wenn er zusammen-fassend sagt»«'):

Von dem Krieg und den eigentlichen Staatsämtern aus-geschlossen, nehmen die Reformierten um so größeren Anteil ander Verwaltung der Finanzen, den Staatspachtungen, dem An-leihewesen; es ist bemerkenswert, mit welchem Eifer und Erfolgsie sich der aufkommenden Manufaktur widmeten."

Wiederum drängt sich die Frage auf: irren wir denn nicht,wenn wir den kapitalistischen Geist aus dem Ketzertum ableiten?Waren die Ketzer kapitalistisch gesinnt, weil sie Ketzer waren,oder waren sie nicht etwa Ketzer, weil sie schon im Kapitalismusdrinsteckten? Oder noch etwas weiter gefaßt: waren sievielleicht Ketzer und Vertreter kapitalistischer Interessen, weilsie zu beiden gleichmäßig durch ihr Blut veranlagt waren?