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Vierundzwanzigstes Kapitel: Die Wanderungen
Ich könnte es mir außerordentlich reizvoll denken, die ge-sammte Menschheitsgeschichte unter dem Gesichtspunkt „desFremden" und seines Einflusses auf den Gang der Ereignissezu schreiben. In der Tat beobachten wir von den Anfängender Geschichte an, wie im kleinen und im großen es denEinwirkungen von außen her zuzuschreiben ist, daß die Volks-gemeinschaften sich eigenartig entwickeln. Es mag sich umNeligionssysteme oder technische Erfindungen, um Formen desAlltagslebens oder Moden und Trachten, um Staatsumwäl-zungen oder Börseneinrichtungen handeln: immer oder wenigstenssehr häufig finden wir, daß die Anregung von „Fremden"ausgeht. So spielt auch in der Geistes-(und Sozial-)Ge-schichte des Bourgeois der Fremde eine überragend große Rolle.Anausgesetzt während des europäischen Mittelalters und ingrößerem Amfange noch in den späteren Jahrhunderten verlassenFamilien ihren angestammten Wohnsitz, um in einem anderenLande ihren Äerd zu errichten. And das sind gerade diejenigenWirtschaftssubjekte, die wir in zahlreichen Fällen als die her-vorragenden Träger kapitalistischen Geistes, als die Begründerund Förderer kapitalistischer Organisation ansprechen müssen.Es lohnt deshalb wohl, den Zusammenhängen nachzugehen, dieetwa zwischen den Wanderungen und der Geschichte des kapita-listischen Geistes bestehen.
Zunächst die Tatsachen^).
Wir können unterscheiden: Einzelwanderungen und Massen-wanderungen.
Einzelwanderungen, denen also die Tatsache zugrundeliegt, daß aus individueller Veranlassung eine Familie (oderauch ein paar Familien) ihren Wohnsitz verändern, das heißt