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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Vierundzwanzigstes Kapitel: Die Wanderungen Z81

in ein anderes Land oder doch in eine andere Landschaftübersiedeln, hat es natürlich zu allen Zeiten gegeben. Ansinteressieren hier diejenigen, an die sich eine irgendwelche Förde-rung des kapitalistischen Geistes anknüpft, wie wir sie namentlichdann vermuten dürfen, wenn wir die Einwanderer als Trägereiner höheren Form des Wirtschaftsverkehrs oder als Begründerneuer Industrien antreffen. Ich denke im ersten Falle andieLombarden" und andere italienische Geldhändler, diewährend des Kochmittelalters in Frankreich, England undanderswo ihr Geschäft betreiben; und ich erinnere daran, wieunter anderen Industrien während des Mittelalters und später-hin von fremden Einwanderern namentlich die Seidenindustriegefördert worden ist. And zwar im kapitalistischen Sinne ge-fördert worden ist (denn die Übertragung von Handwerkernaus einem Orte in den anderen geht uns in diesem Zusammen-hange nichts an).

So erfahren wir z. B. über den Einfluß der Einwanderungvon Lucchesen auf die Entwicklung der venezianischen Seidenindustriefolgendes:

Eine neue Phase der Entwicklung trat mit Einwanderung vonKaufleuten und Seidenarbeitern aus Lucca ein, worauf erst dieIndustrie ganz zur Entfaltung gelangte; zugleich trat das kauf-männische Element mehr in den Vordergrund: die Kaufleute wurdenLeiter der Produktion; sie übergaben ihr eigenes Rohmaterial denMeistern zur Verarbeitung in den verschiedenen Stadien derProduktion--")."

And über die genuesische Seidenindustrie:

Ähnlich wie in Venedig mit der Einwanderung der Lucchesennahm die Seidenindustrie in Genua einen großen Aufschwung erstdurch die Gebrüder Perolerii und andere Kaufleute, welche im Be-ginn des 15. Jahrhunderts lucchesische Musterzeichner in ihren Dienstzogen. Ihnen wurde sogar die Einführung der Seidenindustrie über-haupt zugeschrieben. Zugleich wurde damals eine neue sozialeOrdnung im Genueser Seidengewerbe eingeführt nämlich die