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Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände
kapitalistische Hausindustrie —, welche ihren Ausdruck 1432 in derGründung der Seidenzunst fand 2°°)."
In Bologna wurde die vielleicht erste moderne Fabrik, eineSeidenfilande, „in der eine einzige Maschine die Arbeit von 4000Spinnerinnen verrichtete", von einem gewissen Bolognino di Bar-ghesano aus Lucca angeblich im Jahre 1341 errichtet 2"°).
Die Lyoneser Seidenindustrie führt ihren Ursprung ebenfallsauf eingewanderte Italiener zurück, die sie zunächst Wohl in reinhandwerksmäßiger Form betrieben. Ans interessiert, daß die Äber-sührung in die kapitalistische Organisation im 16. Jahrhundertwiederum auf die Initiative zweier Fremden zurückzuführen ist ^7).
Dasselbe gilt von der schweizerischen Seidenindustrie: 1575 er-öffnen die Pelligari eine Seidenmanufaktur mit 15, später 3V Knechten:„ein Betrieb von 15 resp. 3V Gesellen war bisher selbst bei Papierernund Buchdruckern unerhört"^); dasselbe von der österreichischenSeidenindustrie ^).
Die Seidenindustrie ist nur das Äauptbeispiel; danebensind aber zahllose Industrien bald hier, bald dort, bald vonFranzosen, bald von Deutschen, bald von Holländern, bald vonItalienern, in fremden Ländern, und zwar meist immer, wennsie im Begriff waren, in die kapitalistische Form überzugehen,begründet worden^").
Noch viel fühlbarer wird aber der Einfluß der „Fremden"auf den Gang des Wirtschaftslebens in den Fällen, in denenes sich um Massenwanderungen aus einem in das andereLand handelt. Solcher Massenwanderungen können wir seitdem 16. Jahrhundert, in dem sie einsetzen, folgende drei unter-scheiden :
1. die Wanderungen der Juden;
2. die Wanderungen der religionsverfolgten Christen, ins-besondere der Protestanten;
3. die Kolonisation der überseeischen Länder, namentlich derVereinigten Staaten von Amerika .