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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Achtundzwanzigstes Kapitel: Der Kapitalismus selbst 451

Aufschub weiterer Ausdehnung einen Rückschritt bedeutenwürde, und noch heute lösen sich die aufeinanderfolgenden Ver-besserungen und Erfindungen so schnell ab, daß für uns nochebensoviel zu tun bleibt wie je."

And was der technische Zwang an Freiheit übrig läßt, dasnimmt der ökonomische sicher noch weg. Auch hier gilt das-selbe: der Unternehmer wird durch die Macht der Ver-hältnisse gezwungen, das Anendliche erstreben zu wollen.Es wäre unnütz, noch mehr Worte über diesen Zusammenhangzu verlieren in einer Zeit, die im Zeichen derKonzentrations-tendenz" auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens (mit Aus-nahme natürlich der Landwirtschaft) steht. Worauf es mir hierankam, war, auch für diese bekannte Erscheinung die psycho-logische Verankerung aufzuweisen. Wie sich die Zwangs-läufigkeit in dem Verhalten des Unternehmers hier entwickelt,zeigt uns die Beichte eines von einer seltenen Offenheit undWahrheitsliebe beseelten Großunternehmers aus den Anfängendes deutschen Äochkapitalismus, dessen Selbstbiographie ausdiesen inneren und äußeren Gründen auch sonst eine reiche Aus-beute für die Erkenntnis der sich formenden Psyche des modernenWirtschaftsmenschen gewährt, zeigen uns die folgenden Wortedes Dr. Strousberg "!), die ich deshalb noch hier mitteilenmöchte:Meine damalige Absicht war darauf beschränkt, beimZustandebringen von Eisenbahnen mir so viel zu erwerben, daßich mir einen größeren Grundbesitz kaufen konnte, mich dannvon Geschäften zurückzuziehen und bei geeigneter Gelegenheitein Mandat für das Abgeordnetenhaus anzunehmen und michder parlamentarischen Tätigkeit gänzlich zu widmen.

Inzwischen wurde ich durch Umstände gezwungen, mich beim

Bau aktiv zu beteiligen, und von diesem Moment stellten sich

ganz andere Bedingungen ein.

Der Bau einer Bahn nimmt nötigerweise mehrere Jahre

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