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Dritter Abschnitt: Die sozialen Umstände
wird ihm vom Kapitalismus (unter Beihilfe der Technik) ab-gezwungen. Er muß eilen wollen, auch wenn er nicht eilen will.
Aber er will. Ebenso wie er auch nach dem Anendlichenin der Ausweitung seines Geschäftes streben will. Er willimmer mehr wirtschaftliche Tätigkeit, und er will wirtschaftlicheTätigkeit in jeder Minute seines Lebens. Mit dieser Fest-stellung sind wir in der Erklärung der Vorgänge in der modernenWirtschaftsseele bei dem letzten Punkte angelangt, den wir nochaufhellen müssen.
Wie ist dieses möglich: daß gesunde und meist vortreff-liche, überdurchschnittlich begabte Menschen so etwas wie wirt-schaftliche Tätigkeit wollen können, nicht nur als eine Pflicht,nicht nur als ein notwendiges Äbel, sondern weil sie sie lieben,weil sie sich ihr mit Äerz und Geist, mit Körper und Seele er-geben haben.
Am diesen rätselhaften Vorgang aufzuklären, müssen wiruns der Zustände erinnern, die wir in der Seele des Kolonistenantrafen. Wir fanden dort als den Grundzug eine tiefe Ver-lassenheit und sahen, wie mit innerer Notwendigkeit sich ausdieser Öde der Anternehmungsdrang und die Geschäftsrasereimit psychologischer Notwendigkeit entwickelten. In einer solchenGemütsverfassung aber, wie die, in die der Kolonist durch äußereAmstände versetzt wird, muß der kapitalistische Anternehmer mitder Zeit gelangen, wenn jene Zwänge, die wir eben kennen ge-lernt haben, immer wieder auf ihn wirken. Wenn er immerwieder nichts tut, als Geschäfte machen, so muß seine Seeleschließlich verdorren. Am ihn herum verödet alles, stirbt allesLeben ab, gehen alle Werte unter, entsteht schließlich eine Am-gebung, wie sie das Kolonialland von Natur aufweist. DieHeimat wird für den Anternehmer zur Fremde.Natur, Kunst, Literatur, Staat, Freunde: alles verschwindet inein rätselhaftes Nichts für ihn, der keine „Zeit" mehr hat, sich