Acktundzwanzigstes Kapitel: Der Kapitalismus selbst 45Z
ihnen zu widmen. And während der Kolonist vielleicht geradein dem Familienleben seine Seele erfrischte, brennt das Feuerdes Anternehmungsdranges in unserem Unternehmer auchschließlich diese letzte grüne Stelle aus seiner Amgebung weg.
Nun steht er in der Einöde und müßte zugrunde gehen,nachdem alle Werte für ihn vernichtet sind. Aber er will leben,denn er ist aus starker Lebenskraft gefügt. So muß er neueWerte sich schaffen, und diese Werte findet er — in seinem Ge-schäft. Er darf diese Tätigkeit nicht als sinnlos und wertlosansehen, will er nicht den Grund, auf dem er steht, verlieren,will er nicht die letzte Lebensmöglichkeit sich selbst zerstören.Aber seltsam genug: aus dem trockenen Sande der Alltags-geschäfte springen neue Quellen für den Verschmachtenden auf:eigenartige Reize erwachsen ihm, dem genügsam Gewordenen,aus dem Anhäufen von Gewinn an sich"2), eigenartige Reizeaus der beständigen Ausweitung und Vervollkommnung desGeschäfts an sich. And fehlt es noch an Befriedigung, soverhilft jenes starke Allgemeingefühl der Begeisterung für tech-nische Errungenschaften und der Stolz über die mächtigen Fort-schritte unserer Zeit, die wir organisch aus der Entwicklungder modernen Technik emporwachsen sahen, dazu, ihm dassichere und erhebende Bewußtsein zu verleihen, am sausendenWebstuhl der Zeit für sein Teil mitzuarbeiten. Zwar ist diewirtschaftliche Tätigkeit wieder erst das Mittel, die technischenIdeen zu verwirklichen. Aber — dem großen Gesetz der Zeitfolgend — wird auch dieser Widerspruch überwunden: dasMittel des Mittels wird bewertet und das Endziel — daslebendige Menschentum — darüber ganz und gar vergessen.Durch einen wundersam verwickelten Seelenprozeß ist es so weitgekommen, daß in unseren Tagen ohne Murren das Wirt-schaften um des Wirtschaftens willen gepriesen wird; und demmodernen Wirtschaftsmenschen wachsen aus dieser Amkehrung