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Der Bourgeois : zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen / Werner Sombart
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Quellenbelege

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Selbstbiographien wie die von Strousberg . Zu berücksichtigen istauch der Amstand, daß wir solche systematische Selbstzeugnisse meistnur von ganz hervorragenden Menschen haben, deren Überlebensgroßealso auf das Durchschnittsmaß zurückzuführen ist, wenn wir ihreLeistungen und Ansichten verallgemeinern wollen.

Von den übrigen Quellen sind die zuverlässigsten dieWerke"der Wirtschastssubjekte (2.). Sie lügen wenigstens niemals.

Die unter 3 und 4 genannten Quellen sind sehr wichtig, aberbesonders gefährlich zu benutzen, so daß es Forscher gibt, die sieüberhaupt als Erkenntnisquelle für eine bestimmte tatsächliche Ge-staltung der Dinge, hier also desGeistes" einer Zeit, nicht geltenlassen wollen. So haben mir seinerzeit viele Kritiker zum Vorwurfgemacht, daß ich die Zdeenrichtung des mittelalterlichen Handwerkersaus Zunftordnungen oder auch aus Kritiken und Reformvorschlägen,wie etwa der Reform Kaiser Sigismunds, habe abnehmen wollen.Ich bemerke deshalb noch folgendes zu dieser Art Quellen und ihrerVerwendbarkeit:

Der Fehler, der häufig begangen wird, ist nicht der, daß manaus jenen Quellen Erkenntnis schöpfen will, sondern daß man falscheErkenntnis schöpfen will. Man wird auch nicht aus dem Straf-gesetzbuch sich über die Verbreitung und die Arten des Diebstahls,aus der Gewerbeordnung nicht sich über die Gestaltung der Arbeiter-verhältnisse in der Gegenwart unterrichten wollen. Aber was manaus ihnen sehr wohl lernen kann, ist die unsere Zeit beherrschendeDurchschnittsauffassung von Diebstahl und Arbeiterschutz. Natürlichkann die in der Gesetzgebung niedergelegte oder m einer Streitschriften-literatur (sür die ähnliche Regeln gelten) ausgesprochene Ansichtveraltet" sein und nicht mehr demZeitgeist" entsprechen. Dannwird man das festzustellen haben. Vor allem an der Äand dergegnerischen Äußerungen. Ein nicht allzu dummer Geschichtsschreiberunserer Zeit wird aus der Mittelstandsliteratur zwar entnehmenmüssen, daß in Deutschland noch eine beträchtliche Menge Menschenin handwerksmäßigem Geiste denkt, wird aber feststellen müssen, daßdie Grundauffassung unserer Zeit, wie sie in der maßgebendenLiteratur zutage tritt, wie sie sich schließlich in Gesetzgebung undVerwaltung bestimmend durchsetzt, eine andere, kapitalistische war.Umgekehrt wird unser Arteil über denGeist", der das mittelalterliche