XII
Geleitwort.
sehen Nationalökonomen fehlt, sind positive Kenntnisse, Kennt-nisse von der thatsäclilichen Gestaltung des Wirtschaftslebens,Kenntnisse von der geschichtlichen Vergangenheit, ist namentlichaber Anschauung von den realen Vorgängen in der Gegenwart.Wie könnte sonst bei so viel Scharfsinn oft so wenig Erfolg zuTage kommen! Man denke etwa an die seit Jahren völlig leereDiskussion über den Gang unserer gewerblichen Entwicklung!
Welchen entscheidenden W r ert ich der Beherrschung einesreichen empirischen Stoffes durch den Theoretiker beimesse, solldie ganze Anlage dieses Werkes erweisen. Was ich an Thatsachen-material habe erlangen können, habe ich versucht, in den Kreismeiner Betrachtungen zu ziehen, und oft genug hat mir der vor-handene Vorrat an Wissen nicht genügt, und ich habe mich be-müht, ihn durch eigene Ermittlung zu vergröfsern. Thatsachen,Thatsachen, Thatsachen mufst du herbeischaffen: diese Mahnunghat mir bei Abfassung dieses Buches immerfort im Ohre geklungen.Was mir als eines der Ziele vorschwebte, als ich dieses Werk ab-fafste, war dieses: ein wohlgeordnetes Repertorium des socialenempirischen Wissensstoffes unserer Zeit zu schaffen. Dafs freilichein einzelner, auch wenn er lange Jahre hindurch den „heiterenW'andel mancher schönen Tage, den stillen Raum so mancher tiefenNächte“ dem W'erke weihte, niemals das Ideal erreichen wird, ineiner Wissenschaft wie der unsrigen den gesamten Wissensstoffgleichmäfsig zu beherrschen, zumal wenn er als sein Wissensgebieteine tausendjährige Wirtschaftsperiode betrachtet, ist selbstverständ-lich. Darum bedarf es wohl auch keiner besonderen Bitte an denSpecialisten einzelner Zeitabschnitte oder einzelner Wissenszweige,die hoffentlich nicht allzu zahlreichen Versehen im Detail milde be-urteilen zu wollen. Wenn überhaupt solcherart zusaramenfassenderArbeit, wie sie hier unternommen worden ist, etwelcher Wert zu-kommt, so wird man, glaube ich, Verfehlungen und Unvollkommen-heiten in Einzelheiten als unvermeidliches Übel in den Kauf nehmenmüssen. Immerhin hoffe ich für einzelne Versehen doch auch nachder empirischen Seite hin einiges Entgelt zu gewähren durchdie Verarbeitung eines Materials, das in verschiedenen Richtungen,wie ich glaube, Erweiterungen erfahren hat. Jedenfalls habe icheine ganze Reihe neuer Quellen, namentlich für die Erkenntnis desgegenwärtigen Wirtschaftslebens, zu erschliefsen versucht.
Aber so selbstverständlich nun auch alle sociale Theorie ihrenAusgangspunkt zu nehmen hat von der Erfahrung, so erschöpft siedoch offenbar ihre Aufgabe nicht, wenn sie sich lediglich damit be-