Druckschrift 
1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
XIII
Einzelbild herunterladen
 

Geleitwort.

XIII

fafst, den Erfahrungsstoff zu sammeln und bekannt zu geben. Siewird, darüber dürfte bei niemandem Zweifel herrschen, es sich desweiteren angelegen sein lassen müssen, das gesammelte Material zuordnen. Aber eine Ordnung des Stoffes nimmt doch auch schonder Historiker, nimmt der Statistiker vor, wenn er seine Beobach-tungen uns mitteilt. Wollen wir überhaupt eine theoretische Social-wissenschaft anerkennen, so werden wir für sie eine specifischeArt der Ordnung des empirischen Materials konstituieren müssen.Ich gehe nun von der Annahme aus, dafs das Specifische derTheorie in der Ordnung unter dem Gesichtspunkteines einheitlichen Erklärungsprincipes zu suchen sei.

Denn offenbar wollen wir unter Theorie den höchsten Aus-druck des Vernunftgemäfsen im Gebiete der Erkenntnis verstandenwissen. Der Eigenart der menschlichen Vernunft entspricht esaber, wie kein Zweifel sein kann, das Einzelne, das Mannigfaltige;das Besondere als zu einer höheren Einheit zusammengeschlossenund in ihr enthalten sich vorzustellen.

Wollen wir uns alsdann für ein bestimmtes, ordnendesP r i n c i p entscheiden, so werden wir zunächst zwischen Causa undTelos zu wählen haben: ob wir die Einzelphänomene socialen Ge-schehens auf letzte Ursachen zurückführen oder auf letzte Zieleausrichten wollen.

Ich sage: wir werden zu wählen haben. Damit lehneich die Schlufsfolgerung ab, zu der uns Stammler mit demganzen bestrickenden Zauber seines quellklaren Denkens zu führenunternommen hat: dafs das ordnende Pr incip , das allein der socialenWissenschaft entspreche, das teleologische sei. Wie ich schon ananderer Stelle ausgeführt habe: ich sehe keinen zwingenden Grund,deshalb sociales Geschehen, weil es stets unter einer ein Soll ent-haltenden Ordnung stehe, oder menschliches Handeln, weil es stetsauf die Verwirklichung von Zwecken gerichtet sei, letztlichunter teleologischem Gesichtspunkt zu ordnen. Dafs ich es kann,ist zweifellos, aber ebenso unzweifelhaft erscheint es mir berechtigt,auch jedes Sollen und Wollen kausal in meinem Denken zu ordnen,d. h. als Bewirktes oder Wirkendes aufzufassen. Jede Zweckreiheist doch eben in anderer Betrachtung eine Motivreihe, was nunhier des näheren nicht zu erörtern ist.

Wir werden zu wählen haben zwischen kausalem und teleo-logischem Ordnungsprincip. Da wird es sich also um die Kriterienhandeln, nach denen wir die Wahl treffen wollen. Wenn ich sage,der Entscheid werde sich nach der Beschaffenheit des der Ordnung