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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Geleitwort.

harrenden Stoffes zu richten haben, so ist damit eine sehr gewöhn-liche Meinung ausgesprochen. Die Anwendung dieser Meinung aberauf den uns beschäftigenden Fall, die Ordnung der wirtschaftlichen(oder aller socialen) Phänomene, ist auffallenderweise noch nichtversucht worden. Sie würde nämlich offenbar zu der Konsequenzführen, dafs die Gesichtspunkte, unter denen ich die disparatenEinzelerscheinungen zu einem Ganzen in meinem Geiste zusammen-füge, verschiedene sein müssen, je nach der zeitlichen Verschieden-heit der wirtschaftlichen Phänomene, d. h. also je nach dem Cha-rakter der historischen Wirtschaftsepochen, deren Inhalt ich einertheoretischen Betrachtung unterwerfe. Diesem Gedanken nun ver-suche ich Rechnung zu tragen; er ist, wie ich glaube, von erheb-licher Bedeutung für die Klärung der Meinungen. Dem Gedankenalso: dafs der Entscheid über das ordnende Princip inder Social Wissenschaft ein historisches Problem ist.

Wenn wir die nationalökonomischen Systeme der letztenpaar Jahrhunderte überblicken und sie auf die in ihnen zur Anwen-d ung gelangenden Erkenntnisprincipien hin durchmustern, so gewahrenwir, dafs sie alle bis zu den Zeiten der Klassiker wie selbstver-ständlich, also naiv, unter teleologischem Gesichtspunkte die Phäno-mene gruppieren. Dann beginnt mit den Physiokraten und eng-lischen Ökonomen nach James Stewart (der in seinen Grund-gedanken noch durchaus teleologisch ist) das Kausalprincip langsamneben dem Zweckgedanken in den Schriften der national - öko-nomischen Theoretiker sich Geltung zu verschaffen. Es ist aber dieWesenheit der klassischen und nachklassischen Ökonomie, dafs siebeide Principien durcheinander zur Anwendung bringt. Der erstesociale Theoretiker, der dann streng kausal denkt, ohne sich jedochseiner ganzen Schulung nach der kritischen Tragweite seines Er-klärungsprincips bewufst zu werden, ist Karl Marx , der damitwie in so vielen Punkten eine Gedankenreihe zum ersten syste-matischen Abschlufs bringt, die vor ihm zahlreiche Denker, vorallem auch Saint Simon , begonnen hatten.

Giebt uns dieser Entwicklungsgang der Theorie Fingerzeigefür die richtige Umgrenzung des Anwendungsgebietes der beidenPrincipien? Ich denke doch. Ich glaube nämlich nicht, dafs dieAblösung der teleologischen durch die kausale Ordnung in derSocialwissenschaft im wesentlichen aus dem Reiferwerden desDenkens als ein allgemeines Entwicklungsgesetz unseres Geistessich wird ableiten lassen, wie es -wohl versucht ist. Schon deshalbnicht, weil ich die teleologische Anordnung des Thatsachenmaterials