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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Geleitwort.

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nicht für die an sich niedere Methode halte, die einer gröfserenUnreife des Denkens entspräche. Ich bin vielmehr der Meinung,dafs der Übergang von teleologischer zu kausaler Betrachtungs-weise mit dem Wandel des Objektes zusammenhängt: dafs jene dieselbstverständliche Art, die Dinge zu sehen, sein mufste, solangedas Wirtschaftsleben als ein im wesentlichen von bewufsten Organender Gesamtheit geschaffenes bezw. doch wenigstens stark gemodeltesGebilde sich dem Beobachter darbot: in dem Beamtenstaat des 16.,17. und 18. Jahrhunderts. Das Wirtschaftsleben erschien damalsdurchaus und nur als ein zu bewirkendes, als ein nach Zweckenbewufst zu gestaltendes, mochte auch die erste Anregung zu social-wissenschaftlichem Denken von dem Bedürfnisse gegeben sein, be-stimmte mysteriöse Erscheinungen des Geldmarktes etc., wie siesich im Laufe des 16. Jahrhunderts notwendig einstellen mufsten,ursächlich zu erklären.Mosso da questa maraviglia (eigentüm-liche Phänomene des Geldmarktes) ho cercato investigare, in quantoil debole lume del mio piccolo intelletto puö arrivare, donde pro-cedano gli effetti predetti, per li quali conoscere perfettamente estato necessario prima intendere le cause schreibt Ant. Serra inder Dedicatoria zu seinem Kurzen Traktat vom Gelde. Aber derGrundgedanke auch der theoretisierendenMerkantilisten vonDavanzati und Scaruffi bis Petty und Child, bis Justiund Sonnenfels blieb doch der, dafs das überkommene Systemder stadtwirtschaftlichen Politik mit allen seinen befördernden undverhindernden Mafsregeln die naturgemäfse Form sei, in der sichder wirtschaftliche Prozefs abspielen müsse. Es ist das Wesendieser ersten Periode modernen Staatslebens und moderner, kapita-listischer Wirtschaft, dafs sie ganz in den Gedankengängen desmittelalterlichen Gemeinschaftslebens befangen bleibt. Daher dasStreben, vor allem die Bevölkerungsverhältnisse nach bestimmtenRegeln zu gestalten; daher die positive Beeinflussung der Waren-bewegung durch Zölle, Verbote, Prämien etc.; daher die Monopoli-sierung, Regalisierung, Privilegisierung der aufkommenden, kapita-listischen Industrie etc. Dafs der Theoretiker unter diesen Um-ständen mit Recht als seine vornehmliche Aufgabe ansehen mufste,die letzten Ziele zu formulieren und alle schon empirischen odererst zu veranlassenden Vorgänge des wirtschaftlichen Lebens aufdiese letzten Ziele auszurichten, liegt nahe. Es wurde schon be-merkt, dafs diese Erbschaft der teleologischen Anordnung dannnoch auf die Klassiker übergeht und in deren Schriften in der be-ständigen Durchkreuzung kausaler Betrachtungsweise durch die