XVI
Geleitwort.
immer wiederkehrende Ausrichtung der Einzelphänomene auf dasIdeal der wirtschaftlichen Freiheit sich äufsert. In dem Mafse nunaber, wie die wirtschaftliche Freiheit sich in dem Wirtschaftslebenselbst durchsetzt, in dem Mafse, wie die sogen, „individualistische“Gestaltung der Gesellschaft zur Wahrheit wird, korrekter aus-gedrückt: in dem Mafse, wie der wirtschaftliche Prozefs sich derRegelung abseiten irgend welcher bewufst ordnender Organe ent-zieht, die Einzelwirtschaft immer mehr in die alleinige Abhängig-keit vom „Markte “ gerät, dessen „Gesetze“ nach Analogie derNaturgesetze wirken, unbeeinflufst von irgend einer ordnenden ge-sellschaftlichen Gewalt, blind, ehern, unerbittlich, in demselbenMafse drängt sich mit zwingender Notwendigkeit die kausale Be-trachtungsweise als dasjenige Erklärungsprincip auf, das allein demscheinbar nätürgesetzlich sich abwickelnden Verlaufe der wirtschaft-lichen Vorgänge gerecht werden kann. Das Wirtschaftsleben er-scheint nicht mehr als ein Gebilde, das nach Zwecken geformtwird, sondern als ein Prozefs, der nach bestimmt wirkenden Ur-sachen verläuft. Damit ist die Zeit erfüllt, dem kausalen Erklärungs-princip zu der herrschenden Stellung in der Socialwissenschaft derGegenwart zu verhelfen, die ihm gebührt.
Für unsere hier verfolgten Zwecke ist das aus dieser dogmen-geschichtlichen Betrachtung herausspringende Ergebnis also dieses:dafs wir uns für die Kausalgruppierung des Stoffes entscheiden,und zwar nicht, weil die kausale Betrachtungsweise an sich dievollkommenere wäre, sondern weil die Eigenart des modernenverkehrswirtschaftlich-kapitalistischenWirtschafts-systems, um dessen Analyse uns zu thun ist, dank der nachAnalogie von Naturphänomenen sich abspielenden Marktvorgängeund bei der durchgängig marktmäfsigen Verknüpfung aller wirt-schaftlichen Erscheinungen, die einheitliche Anordnung derEinzelphänomene unter dem Gesichtspunkt von Ur-sache und Wirkung als die zweckmäfsigste Form derGruppierung erscheinen läfst. Während ich mir beispiels-weise sehr wohl denken kann, dafs in einer späteren Zeit, wennes dereinst gelungen sein sollte, die Abhängigkeit vom Markte ineine beherrschende Regelung der Produktion und der Verteilungzu verwandeln, die blind wirkenden Marktgesetze aufzuheben, da-durch, dafs man den Markt beseitigt, dafs alsdann die teleologischeBetrachtungsweise wieder mehr Berechtigung gewinnen könnte. Ineinem streng socialistischen Gemeinwesen wäre eine auf dem kau-salen Princip aufgebaute Nationalökonomie schierer Unsinn.