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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
XVII
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Geleitwort.

XVII

Dafs es sich übrigens bei dem Entscheid für eines der beidenPrincipien nicht um den Entscheid für nur-kausale oder nur-teleo-gische Ordnung handelt, bedarf wohl kaum der besonderen Hervor-hebung. Man wird sich selbstverständlich immer beider Kategoriengleichzeitig bedienen: der teleologisch Ordnende wird die Einzel-phänomene unausgesetzt kausal verknüpfen müssen und der kausalGruppierende wird bestimmte Komplexe von Phänomenen stetsich möchte sagen unwillkürlich in teleologische Gedankenreiheneingliedern: in allen den häufigen Fällen, in denen er Vor-gänge irgend welcher Art um Zwecke gruppiert. Wie soll ichbeispielsweise eine kapitalistische Unternehmung anders beschreibenals unter teleologischem Gesichtspunkt? Oder eine Fabrik oderein Warenhaus? Worauf es natürlich ankommt, ist der Entscheidüber das oberste, letzte Princip.

Ist denn_ aber sociale Theorie in dem. umschriebenen Sin ne beikausaler_Betrachtungsweise_ überhaupt möglich? Das ist eineFrage, die wir oft verneinen hören, und die zu stellen gewifs nichtüberflüssig ist.

Wir werden uns, um sie beantworten zu können, zunächst ge-nauer darüber verständigen müssen, welche Art von Erkennt-nis wir in unserer Wissenschaft denn überhaupt anstreben. Ichwill die Ansprüche, die ich stelle, wie folgt umschreiben:

1. Uns soll nicht_di g E rmittlung einer nach Mills Sprach-gebrauch sogen. jjmpirischen Gesetzmäfsigkeit genügen, d. h. dieblofse Feststellung einer regelmäfsigen Wiederkehr von Erschei-nungen ohne die Erkenntnis der sie bewirkenden Ursachen. Solchesoi-disantGesetze sind z. B. die in unserer Wissenschaft besondersbedeutsamen statistischenGesetze (auf 100 Mädchen werden 100-t-xKnaben geboren); aber auch diejenigenGesetze, die man alsmathe-matische oder, wenn man will,identische bezeichnen kann, weilsie nicht mehr als ein bestimmtes Zahlen- oder Gröfsenverhältnisformelmäfsig zum Ausdruck bringen, gehören hierher, wie dasGe-setz der fallenden Lohnquote, fast alle sogen. Verkehrs-Gesetze(die Absatzfähigkeit einer Ware wächst im quadratischen Ver-hältnis zu ihrer Transportfähigkeit), die meisten Aussagen überden Mehrwert bei Marx, die in dem zweiten Bande dieses WerkesentwickeltenGesetze der Städtebildung u. s. w. Was wir viel-mehr postulieren, ist die ursächliche Verknüpfung der Phänomene.

2. Wir werden in der Böcialwissenschaft auf die Ermittlungeiner (Natur-) Gesetzmäfsigkeit in dem strengen Kant sehen Sinne,d. h. mit den Requisiten der Allgemeinheit und Notwendigkeit,

Sombart , Der moderne Kapitalismus. I. II