Geleitwort.
XXV
Wo der Leser meines Buches auf eine Kapitelüberschrift „Hem-mungen“ stöfst, findet er solche für die Entfaltung des Kapitalismusheterogenen Erscheinungskomplexe gewürdigt.
Der zweite Gesichtspunkt, unter dem ich die objektiven Be-dingungen unterscheide, ist ihr Artcharakter, je nachdem es sichnämlich um
naturale oder socialeBedingungen handelt.
Erstere, die man auch als absolute Bedingungen des Wirt-schaftslebens bezeichnen kann, entstammen drei verschiedenenQuellen: der umgebenden Natur, der Eigenart der Rasse und demAusmafse technischen Könnens.
Letztere, auch relative Bedingungen dagegen werden durcheigenartige Beziehungen der Menschen untereinander, also schonselbst Erzeugnisse des Vergesellschaftungsprozesses, geschaffen. DieBeispiele, die ich eben sowohl als heterogene wie als homogeneErscheinungen anführte, waren sämtlich socialer Natur.
Endlich aber müssen wir uns klar werden, dafs die objektivenBedingungen in genetischer Betrachtungsweise grundsätzliche Unter-schiede erkennen lassen. Es kann sich nämlich umoriginäre oder abgeleiteteBedingungen handeln.
Letztere, die abgeleiteten, sekundären, tertiären etc. Bedingungenhaben wir selbst wieder als Erzeugnisse der treibenden Kräfte zubetrachten, also als Bewirktes zu erklären. In dieser Auf-lösung der abgeleiteten Bedingungen erblicke icheine der wesentlichsten Aufgaben des socialen Theo-retikers. Hier ist der Punkt, wo die Forschungsweise die aller-entschiedensten Wandlungen erfahren mufs. Was nämlich von demWirtschaftstheoretiker der Zukunft verlangt werden wird, sindwieder lange Gedankenreihen, die heute ganz aus der Modegekommen zu sein scheinen. Der Theoretiker von heute bästeltfast immer ein beobachtetes Einzelphänomen an die nächstliegendeUrsache an, wenn er es nicht vorzieht, durch Messung an einembereitgehaltenen (meist ethischen) Mafsstabe seiner Herr zu werden.Er erklärt beispielsweise (was schon ein seltener Fall theoretischerVertiefung ist) die moderne Konfektionsindustrie aus dem Frauen-überschüsse der Grofsstädte oder erledigt das Problem des Hausier-handels mit einer Erörterung seiner „volkswirtschaftlichen“ bezw.„ethischen“ Vorteile und Nachteile. Nach der hier vertretenenAuffassung ergeben sich völlig andere Aufgaben. Zunächst er-