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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Einleitung. Die Organisation der wirtschaftlichen Arbeit.

jenen Schematismus Büchers aufzulösen, der auf relevanteste Punkteder wirtschaftlichen Organisation entweder gar keine Rücksichtnim mt, oder aber den Thatsachen, die er meistern will, geradezuGewalt anthun mufs. Es wird mein Widerspruch am besten deut-lich werden, wenn ich einige Beispiele herausgreife: das Tuch desmittelalterlich-städtischen Tuchproduzenten, das er auf Märkten undMessen absetzte, die Erzeugnisse der alten bergisch-märkischenKleineisenindustrie, das Silber aus den Bergwerken des Mittel- r

alters hatten keinen längeren und keinen kürzeren Weg aus derProduktions- in die Konsumtionswirtschaft zurückzulegen, als heutedie gleichen Erzeugnisse aus der Fabrik zum Schneider oderSchlosser oder Juwelier, und doch gehören die Vorgänge damalsund heute ganz verschiedenen Welten an. Der Weg des Rockes,der Stiefeln etc. aus dem modernen kapitalistischen Mafsgeschäftin die Wirtschaft des Konsumenten ist nicht einen Schritt längerals ihr Weg im Mittelalter. Reine und echte Kundenproduzentensind Krupp und ähnliche für den Staat oder die Gemeinde lieferndeGeschäfte. Die grofsen Pariser Couturiers, deren jeder Tausendevon Arbeitern beschäftigt, sind ganz exklusive Kundschaftsprodu-zenten u. s. w. Und diese Erscheinungen sind nicht etwa ver-einzelt in unserer Zeit: sie stellen, wie Bücher selbst am besten >

weifs, grofse Entwicklungstendenzen dar. Die vielfach beobachteteAusschaltung der Zwischenglieder, die Annäherung der Konsumentenan den Produzenten: führen sie uns zur Organisation der mittel-alterlichen Stadtwirtschaft zurück? Oder kann dasKundenver-hältnis nicht vielleicht ganz heterogenen Wirtschaftsperioden an-gehören? Das Brot hat einen gleich langen Weg zurückzulegenvom Handwerker, aus der kapitalistischen Brotfabrik, aus derBäckerei des Konsumvereins und aus der Militärbrotbäckerei, umin die Wirtschaft des Konsumenten zu gelangen: sollen alle viertoto coelo verschiedenen Wirtschaftsorganisationen darum als gleichbehandelt werden? Aber auch die Konstruktion der modernen Ver-kehrswirtschaft gelingt nach dem Schema Büchers nicht. Denkenwir uns eine socialistisch organisierte Gesellschaft, die unter Bei-behaltung der heutigen Arbeitsspecialisierung produzierte, so würdefür zahlreiche Produkte der Weg von der Produktions- zur Kon-sumtionswirtschaft ebensoweit sein wie er heute ist: sollte ichdarum die wiederum weltverschiedenen Organisationen nicht unter-scheiden dürfen blofs wegen des gleich langen Weges, den dasProdukt zurücklegt, ehe es konsumiert wird? Worauf Bücher auchnicht erwidern könnte: heute wird das Produkt als Ware pro-