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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Einleitung. Die Organisation der wirtschaftlichen Arbeit.

andere Eigentümlichkeiten wirtschaftlicher Organisation wie dieArt der Verknüpfung arbeitsteiliger Produktion, die Principien derWirtschaftsführung, die Abhängigkeitsverhältnisse der bei der Pro-duktion mitwirkenden Personen u. a. vermag es naturgemäfsnicht ebenfalls zum Ausdruck zu bringen. Marx und Engels, dieunzweifelhaft am tiefsten dachten, wurden durch diesen Umstandgehindert, überhaupt eine eindeutige Einteilung vorzunehmen undhaben bis zuletzt zwischen den verschiedenen Einteilungsmöglich-keiten geschwankt.

Was zunächst keinem Zweifel unterliegen kann, ist dieses: dafsdas Merkmal, nach dem die Arten menschlicher Wirtschaft unter-schieden werden sollen, eine für die Gestaltung des Wirtschaftslebensrelevante Thatsache sein mufs. Und zwar thunlichst eine solche,die für alle übrigen Erscheinungen bestimmend, also primär ist.Als solche bietet sich nun den Blicken des aufmerksamen Beschauersvor allem eine dar: das ist das Mafs von Produktivkräften,über die eine Zeit für ihre wirtschaftlichen Zwecke verfügt. Deut-lich erscheint der Grad der Entwicklung produktiven Könnens alsdie Schranke, in die alles wirtschaftliche Verhalten und Strebenjeweils eingeschlossen ist, als die somit recht eigentlich objektivalles Wirtschaftsleben bestimmende Thatsache. Es läge daher nahe,sie als Merkmal für die Unterscheidung verschiedener Wirtschafts-stufen zu wählen. Und wenn man etwa in der Weise, wie ich esversucht habe 1 , die ökonomische Technik nach den ihr zu Grundeliegenden Principien analysiert, so läfst sich auch ohne Schwierig-keit eine Stufenfolge der Verfahrungsweisen und der an sie sichanknüpfenden Entwicklung der produktiven Kräfte aufstellen. Nichtin der äulserlichen Art, nach der man Steinzeit, Bronzezeit, Eisen-zeit unterschieden hat; wohl aber so etwa, dafs man den Eintrittdes Feuers, des Werkzeugs, des Rotationsprincips, des Dampfes,der Wissenschaft u. s. w. in das Wirtschaftsleben zu Marksteinenverschiedener Wirtschaftsepochen machte. Dagegen liefse sich nunaber folgendes mit Recht einwenden:

1. würde einer solchen Einteilung stets etwas Willkürlichesanhaften, da ja die Auswahl der entscheidenden Thatsachen durchkeinerlei Regel bestimmt ist 2 ;

2. würde eine derartige Einteilung keinerlei Vergleichung derverschiedenen Wirtschaftsepochen gestatten, an der uns doch ge-

1 Gewerbliche Arbeit S. 17 ff.

2 Für diese Willkürliclikeit liefert ein beredtes Zeugnis die Einteilungder primitiven Wirtschaftszustände, die Lew. H. Morgan vornimmt. Ich