Druckschrift 
1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

Drittes Kapitel. Wirtschaftsstufen, Wirtschaftssysteme etc. 57

legen sein mufs, und zwar deshalb nicht, weil ja den verschiedenenVerfahrungsweisen das tertium comparationis fehlt. Um dieses zubeschaffen, könnte man daran denken, die ihnen innewohnendeProduktivität zu ermitteln und ihr Mafs der Einteilung derWirtschaftsstufen zu Grunde zu legen; könnte also ein Pro-duktivitätssimplum angenommen etwa doppelt-, vierfach-, zehn-fach- u. s. f. produktive Epochen unterscheiden. Böte sich dazueine Handhabe, so läge kein formaler Grund vor, eine derartigeEinteilung nicht zu treffen. Einstweilen freilich müssen wir daraufverzichten, denn jene Handhabe fehlt. Weder vermögen wir dieProduktivitätshöhe einzelner Verfahrungsweisen einwandsfrei zu be-stimmen, noch viel weniger, was doch aber notwendige Voraus-setzung wäre, die gesamte Technik einer Zeit auf einen einzigenNenner zu bringen und sie mit einem einzigen Produktivitäts-koeffizienten zu belegen. Aber auch diese Lücken in unseremWissen ausgefüllt gedacht, würde sich jene Art der Gruppierungdoch kaum als glücklich erweisen. Was sich nämlich

3. gegen eine Einteilung der Wirtschaftsepochen nach Pro-duktivkräften einwenden läfst, ist dieses: dafs sie kein eigentlichökonomisches Kriterium der Einteilung zu Grunde legt. Nicht diet potentielle Fähigkeit zu produzieren, nicht also das blofse Vor-

handensein produktiver Kräfte ist es, was uns interessiert, sonderndie Art und Weise, wie die Verfahrungsweisen genutzt worden.Ihre Anwendung zu wirtschaftlichen Zwecken, ihre Inbeziehung-setzung zu wirtschaftlicher Thätigkeit macht die Produktivkräfteerst zu ökonomisch relevanten Erscheinungen. Wollen wir sie daherin ihrem objektiv bestimmenden Einflufs auf das Wirtschaftslebenerfassen, so müssen wir sie gleichsam erst in socialem Gewändeerscheinen lassen, d. h. unbildlich gesprochen irgendwelche Phäno-mene socialer Organisation, die wir von ihnen unmittelbar ver-ursacht sehen, als ihren repräsentativen Ausdruck zu kennzeichnenversuchen. Als solches Phänomen bietet sich uns nun aber imGrunde, wenigstens bei dem heutigen Stande unseres Wissens, nurein einziges dar: die berufsmäfsige Specialisierung oder wenn manr die Bezeichnung, die den Naturwissenschaften entlehnt ist, vorzieht:

die Differenzierung wirtschaftlicher Thätigkeit. Zwischen dieserökonomischen Thatsache und der Entwicklung der Produktivkräfte

habe nie begriffen, warum er z. B. der Erfindung der Töpferscheibe eine sofundamentale Bedeutung zuschreibt. Die angeführten Gründe enthalten keines-wegs eine befriedigende Erklärung. Vgl. Urgesellschaft, deutsch 1891, S. 9 ff.

>