Drittes Kapitel. Wirtschaftsstufen, Wirtschaftssysteme etc.
59
Nur einer Feststellung bedarf es jetzt noch, damit wir unsereTafel der Wirtschaftsstufen entwickeln können: die Specialisierungkann sich innerhalb einer — sei es Produktions-, sei es Konsum-tions- — Wirtschaft vollziehen oder aber zwischen verschiedenenWirtschaften stattfinden. In letzterem Falle stellt die Thätigkeitder einzelnen Produktionswirtschaft die Specialität dar. Nur indiesem Sinne wollen wir im folgenden den Begriff der Specialisierungund somit also auch der Vergesellschaftung verwenden.
Es sind nun folgende drei Wirtschaftsstufen zu unterscheiden:
I. Individualwirtschaft;
II. Übergangswirtschaft;
III. Gesellschaftswirtschaft.
Diese Dreiteilung, auf deren Parallelität zu der Tafel der Be-triebsformen schon hier hingewiesen werden mag, ist nach folgendenGesichtspunkten vorgenommen:
I. Die Stufe der Individualwirtschaft 1 ist diejenige, aufwelcher der Gesamtbedarf einer Konsumtionswirtschaft in derselbenWirtschaft, die also gleichzeitig Produktionswirtschaft ist, hergestelltwird und höchstens eine Berührung, keine Verschlingung mit an-deren Wirtschaften besteht.
II. Die Stufe der Übergangswirtschaft, auch als Gesell-schaftswirtschaft niederer Ordnung zu bezeichnen, wirdcharakterisiert dadurch, dafs bereits eine ständige Trennung vonKonsumtions - und Produktionswirtschaft eingetreten ist. Der Ge-samtbedarf einer Wirtschaft wird regelmäfsig durch MitwirkungandererWirtschaften gedeckt. Es herrscht also bereits ein Zustandder Vergesellschaftung. Jedoch einer noch nicht sehr hochentwickeltenund stark differenzierten Vergesellschaftung. Ein beträchtlicher
1 Die Bezeichnung „Individualwirtschaft“ ist nicht sehr glücklich, des-halb weil gerade dieser Wirtschaftsstufe ein kommunistischer Zug anhaftet;aber ich finde keinen besseren. „Isolierte“ Wirtschaft ist auch nicht schöner.Ich denke aber, dafs nach diesem Hinweise und unter Berücksichtigung derweiteren Darlegungen Mifsverständnisse ausgeschlossen sind. Wenn Marx einmal bemerkt (Lohnarbeit und Kapital S. 15), dafs alle Produktion als„gesellschaftliche“ erfolge, indem die Menschen „auf bestimmte Weise Zu-sammenwirken und Thätigkeiten gegeneinander austauschen“, so ist das natür-lich unzweifelhaft für alle Wirtschaftsstufen richtig und von mir selber aus-drücklich an anderer Stelle anerkannt. Es schliefst aber nicht aus, dafs wirin der Weise, wie es im Text geschieht, nach einem ganz bestimmtenKriterium — der Trennung von Konsumtions - und Produktionswirtschaft —einen Zustand der „Individualwirtschaft“ demjenigen einer Gesellschaftswirt-schaft gegenüberstellen.