Drittes Kapitel. Wirtschaftsstufen, Wirtschaftssysteme etc. (53
duktion giebt ebenfalls die Aussicht auf Gewinn; sie geht also vomKonsumenten auf den Produzenten über.
Dieser Unterschied in der Zwecksetzung der Produktion istnun aber von ausschlaggebender Bedeutung für die gesamte Ge-staltung des Wirtschaftslebens. Vor allem bestimmt sie den Art-charakter des Produzenten. Ist, wie bei der Bedarfswirtschaft,Quantum und Quäle die durch den Bedarf fest gegebene Gröfse,t so besteht die Aufgabe des Produzenten lediglich in der Ausführung.
Er ist technischer Arbeiter, wie man es kurz bezeichnen kann.Mufs dagegen Ausmafs und Art der Produktion erst bestimmtwerden, sind sie variabel und abhängig von wechselnden Gewinn-chancen, so wird die wesentliche Aufgabe des Produzenten darinbestehen, diese richtig zu beurteilen. Die Produktion hört auf, einProblem des technischen Könnens zu sein und wird zu einemProblem spekulativer Berechnung. Der Produzent ist nicht mehrtechnischer Arbeiter, sondern in erster Linie Kaufmann (im modernenSinne).
Da es im Plane dieses Buches liegt, zwei historische Wirtschafts-systeme mit den ihnen entsprechenden Wirtschaftsformen, deren jeeines einer der beiden genannten Gruppen angehört, eingehender zuanalysieren, so kann es einstweilen bei diesen allgemeinen Be-merkungen sein Bewenden haben und wir können dazu übergehen,innerhalb der beiden grofsen Gruppen von Wirtschaftssystemen nunEinzelheiten unterschiedlich zu markieren. Wenn ein Wirtschafts-system eine von bestimmten Wirtschaftsprincipien beherrschte Wirt-schaftsordnung ist, so mufs offenbar die Unterschiedlichkeit dereinzelnen Wirtschaftssysteme bei denselben Wirtschaftsprincipien inder Verschiedenheit der Wirtschaftsordnungen begründet sein?Nun giebt es aber so viele Wirtschaftsordnungen, wie viele ver-schiedene das Wirtschaftsleben regelnde Sitten und Gebräuche, wieviele verschiedene Rechtsordnungen es je gegeben hat, giebt undgeben wird. Ihre Zahl ist also Legion. Wollen wir unterscheiden,so kann es sich somit nur darum handeln, die principiell bedeut-samen Elemente je in den verschiedenen Wirtschaftsordnungen int ihrer Divergenz darzustellen, d. h. also markante Typen der ver-
schiedenen Wirtschaftsordnungen vorzuführen.
Wie aber, so könnte man fragen: ist denn die Gestaltung derWirtschaftsordnung so ganz beliebig, so gar nicht abhängig von
jektiver Bedarf an Gebrauchsgütern, sondern immer nur die Aussicht aufGewinn ist. Gewinn ist aber 1. qualitätslos, 2. quantitativ unendlich.