Drittes Kapitel. Wirtschaftsstufen, Wirtschaftssysteme etc. 7}
Schaftsverfassung umzubilden trachten, bis sie ein ihren Zweck-setzungen entsprechendes neues Wirtschaftssystem an die Stelledes alten gesetzt haben: historisch-genetische Betrachtungsweise.
Bei dieser Art der Untersuchung wird sich wie von selbst einebestimmte Gliederung des geschichtlichen Ablaufs der Ereignissezwanglos ergeben. Man wird in empirisch umgrenzbaren Zeit-räumen die Herrschaft eines Wirtschaftsprincips und des ihm ent-sprechenden Wirtschaftssystems so gut wie unbeschränkt finden;in andern dagegen neue Wirtschaftsprincipien im Rahmen desherrschenden Wirtschaftssystems nach Anerkennung ringen sehen.Anders ausgedrückt: jedes neue Wirtschaftsprincip mufs sich zunächstim Rahmen eines bestehenden Wirtschaftssystems durchzusetzenversuchen. Es wird zu seiner Verwirklichung sich Wirtschafts-formen schaffen, deren Gestaltung noch wesentlich von der Eigenartder aus einem andern (dem z. Z. herrschenden) Wirtschaftsprinciperzeugten Wirtschaftsordnung bestimmt wird und vermag erst all-mählich sich das gesamte Wirtschaftsleben nach seinem Geiste zuformen. Vom Standpunkt des neuen Wirtschaftssystems aus istdiese Epoche, in der das neue Wirtschaftsprincip im Rahmen deralten Ordnung sich bethätigt, seine Frühepoche, vom Standpunktdes alten Wirtschaftssystems aus dessen Spätepoche. Dazwischenliegt die Hochepoche eines Wirtschaftssystems, in welcher derGeist nur eines vorherrschenden Wirtschaftsprincipes zu reiner Ent-faltung gelangt. Dieses Schema einer genetischen Betrachtungsweiseauf eine empirisch bestimmte Wirtschaftsperiode angewandt ist esnun, was den folgenden Untersuchungen zu Grunde liegt.
Deren Gedankengang ist dieser: es hat sich im Laufe derEntwicklung ein Wirtschaftssystem herausgebildet, das dem Wirt-schaftsprincipe handwerksmäfsigen Schaffens entspricht: die Zeitdes europäischen Mittelalters, wenn man will: die Zeit der Stadt-wirtschaft (obwohl mir diese herrschende „Napftheorie“, wie sieLosch persiflierend nennt, in der alle wirtschaftliche Mannigfaltig-keit in das äufsere Schema einer bestimmten Räumlichkeit ein-geprefst wird, wie gesagt unsympathisch ist). Das gesamte Wirt-schaftsleben ist gleichsam nach dem Bilde des Handwerks geformt:„Die Wirtschaft “ ist selbst „Handwerk“.
Im Rahmen dieses historisch bestimmten Wirtschaftssystemsbildet sich nun ein neues Wirtschaftsprincip aus: das kapitalistische,das sich zunächst im Rahmen der handwerksmäfsigen Organisationeine ihm entsprechende Wirtschaftsform — die kapitalistischeUnternehmung — schafft: es beginnt die frühkapitalistische