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Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.
4. die Anschauungen des Wirtschaftssubjekts über Sinn undZweck seiner Thätigkeit.
Haben wir nach allen diesen Seiten hin das Handwerk genügendcharakterisiert, so werden die objektiven Bedingungen seiner Existenzzu untersuchen sein.
Die Untersuchung wird sich zunächst auf die handwerksmäfsigeOrganisation der Produktion, das „eigentliche Handwerk“ be-schränken. Wo von Handwerk und Handwerker schlechthin inder folgenden Darstellung die Rede ist, sollen darunter auch immer(falls nichts besonderes bemerkt ist) gewerbliches Handwerk und ge-werbliche Handwerker verstanden werden.
Diese Bevorzugung der gewerblichen Produktionsspbäre erfolgtmit Bedacht: Es ist einer der Grundgedanken dieser Unter-
suchungen, dafs die eigenartige Organisation, die wir Handwerknennen, zunächst zwar auf dem Gebiete der gewerblichen Produktionentstanden ist, dann aber bestimmend geworden ist für den Gesamt-charakter des Wirtschaftslebens während langer Zeiträume, ebensowie es später die aus kaufmännischem Geiste geborene kapita-listische Unternehmung wird. Ehemals erschien auch der Handelals Handwerk, heute erscheint auch die Produktion als kaufmän-nisches Unternehmen. Diesem Gedanken sollte auch die Überschriftdieses Ersten Buches Rechnung tragen.
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Um Mifsverständnissen vorzubeugen, will ich den Leser aus-drücklich darauf aufmerksam machen, dafs die folgenden Kapitelunter doppeltem Gesichtspunkte geschrieben sind und aufgefafst seinwollen: unter historisch-theoretischem und theoretisch-historischem.Galt es in erster Linie das Wesen handwerksmäfsiger Or-ganisation gleichsam in abstracto klarzulegen und mufstenzu diesem Behufe die charakteristischen Merkmale des Handwerksgelegentlich aus verschiedenen Wirtschaftsepochen zusammengestelltwerden, so sollte doch gleichzeitig das Bild einer bestimmten, em-pirischen Wirtschaftsepoche vor unsern Augen sich ausbreiten: der-jenigen, in der die handwerksmäfsige Organisation des Wirtschafts-lebens vielleicht am reinsten zur Entwicklung gelangt ist und vonder die genetischen Betrachtungen dieses Werkes ihren Ausgangs-punkt nehmen: Das Bild der mittelalterlichen Wirtschaft.