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Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.
Unternehmern zu thun hat, die es für vorteilhaft erachten, nochunter der Flagge des „Handwerksmeisters“ weiter zu segeln. Einenzuverlässigeren Anhalt bieten uns daher die Angaben, die für dieBetreibung der einzelnen Gewerbe die mindestens oder durchschnitt-lich erforderlichen Vermögensbeträge, also was man vulgo Anlage-und Betriebskapitalien nennt, direkt zum Ausdruck bringen. Auchan solchen Angaben fehlt es uns nicht. Die Handwerker-Enquetegiebt uns auch hierüber manchen dankenswerten Aufschlufs x . Undwenn wir beispielsweise in Betracht ziehen, dafs heutzutage eineBäckerei oder Drechslerei oder Klempnerei schon mit ein paarhundert Mark begonnen werden kann, während auch für denkleineren Meister in dem Baugewerbe oder in der Fleischerei dochimmerhin mehrere tausend Mark Vermögen erforderlich sind, dafsaber innerhalb der einzelnen Gewerbe, auch dort, wo es sich offen-bar noch um Handwerker handelt, Differenzen im sog. Anlage- undBetriebskapital wie 1 : 10 Vorkommen, so gewinnt der Eindruck,den wir aus einer Betrachtung der Einkommensverhältnisse ge-wonnen hatten, an Glaubwürdigkeit, dafs heute wie stets ein Hand-werksbetrieb auf aufserordentlich verschiedener materieller Basisruhen kann, ohne darum aufzuhören, Handwerksbetrieb zu sein.Und das war es, was uns einstweilen allein interessierte, wo es unsnur darauf ankommt, die dem Handwerk als Wirtschaftsform wesent-lichen Punkte zu fixieren.
Aber wovon wir ausgingen: der Handwerker besitzt nicht nurdas für die Ausübung seines Gewerbes notwendige Sachvermögen,er besitzt auch alle dazu erforderlichen persönlichen Eigen-schaften: er ist eine Art von gewerblichem „Herrn Mikrokosmos“.Was später sich in zahlreichen Individuen zu besonderen Veran-lagungen auswächst: das alles vereinigt der Handwerker auf seinem„Ehrenscheitel“. Selbstverständlich alles in einem en-miniature-Ausmafse. Seiner Universalität entspricht mit Notwendigkeit seineMittelmäfsigkeit. Man kann eine handwerksmäfsige Organisationauch als eine solche bezeichnen, in der die Mittelmäfsigkeit das dieProduktion regelnde Princip ist.
Der Kern des Handwerkertums ist seine Qualifikation als ge-werblicher Arbeiter,, in dem Sinne, dafs er die technischenFähigkeiten besitzt, die zur Herstellung eines Gebrauchsgegenstandesan einem Rohstoff vorzunehmenden Handgriffe auszuführen. Abermit dieser, sagen wir technischen, Veranlagung vereinigt er:
1 Vgl. die Belegstellen s. v. „Anlagekapital“ und „Betriebskapital“ imSachregister (U. IX). '