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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Fünftes Kapitel. Das Wesen d. handwcrksmäfs. Organisat. d. Gewerbes. 85

1. die etwa erforderliche künstlerische Konzeption, daskünstlerische Empfinden, wobei denn nun ganz und gar nicht andie unsterblichen Leistungen des sog. Kunsthandwerks frühererZeiten, etwa des 15. und 16. Jahrhunderts, gedacht werden darf, umetwa das oben von der Mittelmäfsigkeit Gesagte ad absurdum zuführen. Das Handwerk als ganzes oder, was dasselbe ist, die Masseder Handwerker hat niemals ein höheres künstlerisches Niveau ein-genommen, wie uns die Schätze unserer kunstgewerblichen Museenvielleicht glauben machen könnten. Es hat sich bei kunstgewerb-lichen Erzeugnissen höherer Art stets um einzelne wenige Stückegehandelt, und die stammten nicht von besonders künstlerisch ver-anlagten Handwerkern, sondern von Künstlern. Die Renaissance-zeit hat ein so herrliches Kunstgewerbe nicht deshalb besessen, weildie Handwerker Künstler, sondern weil die Künstler Handwerkerwaren, richtiger: das künstlerische Schaffen sich auch auf diekunstgewerblichen Gegenstände mitbezog. Gerade wie wir heute am Beginne des 20. Jahrhunderts abermals eine Hochblütedes Kunstgewerbes erleben deshalb, weil die hohe Kunst endlichwieder in die Niederungen des Kunstgewerbes hinabgestiegen ist unddieses mit ihrem Geiste erfüllt. Mit der eigentümlich handwerks-mäfsigen Organisation der Produktion hat das nichts zu thun. ImGegenteil ist man versucht zu sagen: Handwerk und kunstgewerb-liche Blüte schliefsen einander aus. Das Handwerk ist seineminnersten Wesen nach der Tod des Kunstgewerbes. Was alles hiernur angedeutet werden soll, um bei einer späteren Gelegenheit aus-führlicher erörtert zu werden.

Der Handwerker besitzt

2. die für die Produktion, insbesondere auch für die Tradition

des produktiven Könnens erforderlichen Kenntnisse, um nichtden irreführenden Ausdruck zu gebrauchen: wissenschaftliche

Qualifikation. Alle Weisheit unsererDoktor-Ingenieure, alleForschungsergebnisse unserer chemischen Laboratorien vereinigt erin seiner Persönlichkeit.

Daneben funktioniert er

3. als Organisator ebensowohl wie als Leiter der Pro-duktion. Er ist Generaldirektor, Werkmeister und Handlanger ineiner Person.

Er ist aber

4. auch Kaufmann . Alle Einkaufs- und Verkaufsthätigkeit,alle Absatzorganisation, kurz alles, was später als spekulative Begabung