86 Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.
sich in einigen überdurchschnittlichen Persönlichkeiten absondert,umfafst sein persönliches Vermögen.
Wir werden noch Gelegenheit haben, zu sehen, wie sehr dieseundifferenziierte Universalität, die das Wesen des Handwerkersausmacht, auch die historische Eigenart der handwerksmäfsigenEpisode des Wirtschaftslebens bestimmt. Einstweilen suchen wirdas Wesen dieser Organisation auch nach anderen Seiten hin nochgenauer klarzulegen durch die Frage: was will denn diesessonderbare Gebilde, wie wir es im Handwerker kennen gelernthaben, in der Welt? Denn erst wenn wir Streben und Trachten,Ziele und Zwecke jemandes kennen, vermögen wir uns über seinWesen ein sicheres Urteil zu bilden. Was wir aber an präponderantenStrebungen des Handwerkers blofslegen, ist nichts anderes als dasbeherrschende Wirtschaftsprincip der handwerksmäfsigen Wirtschafts-weise.
B. Handwerkers Streben.
Mir scheint, als ob es zwei Punkte vor allem seien, auf diedas Streben des Handwerkers hauptsächlich gerichtet ist: einstandesgemäfses Auskommen und Selbständigkeit. Ein standes-gemäfses Auskommen strebt er an, nicht weniger, aber vorallem auch nicht mehr. Seine gewerbliche Arbeit soll ihm diematerielle Basis für seine Existenz: seine „Nahrung“ verschaffen,das Handwerk soll seinen Mann „nähren“.
Das ist der Grundton, der durch alle Äufserungen des Hand-werks seit seinem Bestehen hindurchklingt. Ursprünglich ist diesesStreben der Ausflufs naiven Menschtums, erst allmählich wird mansich seiner bewufst, formuliert es theoretisch und macht eszur Basis des Handwerks, wo man dessen Wesen ausdrtickenwill. Dort vor allem wird es mit Entschiedenheit betont, wo feind-liche Mächte diesen Grundpfeiler handwerksmäfsiger Existenz, die„Nahrung“ zu erschüttern drohen, also in den Klagen der Hand-werker oder dort, wo die feindlichen Mächte, die auf andermGrunde fufsen wollen, von den Verteidigern der guten alten Zeitihres verderblichen Irrtums überzeugt werden sollen. Aus der Klage-litteratur des Handwerks, die nun schon die Jahrhunderte, manist versucht zu sagen, die Jahrtausende füllt, mag nur einerStelle Erwähnung geschehen, die in besonders treffender Weiseund während des deutschen Mittelalters wohl mit am ehesten jenemGrundgedanken Ausdruck verleiht, dafs das Handwerk seinen Mannnähren müsse: die bezüglichen Worte aus Priester Friedrich