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Erstes Bucli. Die Wirtschaft als Handwerk.
Alpen 1 . Von den „Kölner Schwertern“ aber erhalten wir Kundeam Oberrhein schon im 12. Jahrhundert 2 , im Handel mit England Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhunderts 3 ; einem "Waffenhandelbegegnen wir dann häufig während des 13. Jahrhunderts, so inPirna 4 , in Eisenach 4 , und noch mehr in den folgenden Jahrhunderten,so in Osnabrück 5 , in Danzig 6 , in Lübeck 7 . Aus diesen beliebigherausgegriffenen Urkundenbelegen dürfte ohne weiteres auf einenblühenden, ausgedehnten internationalen Waffenhandel während desganzen Mittelalters 8 geschlossen werden, auch wenn die Annahmeeines solchen aus allgemeinen Erwägungen heraus nicht allein schonselbstverständlich wäre. Dafs aber auch die WaffenerzeugungHandwerk war, wissen wir aus zahlreichen Untersuchungen, unterdenen die Arbeit Thuns über die Solinger Schwertfabrik einenhervorragenden Platz einnimmt. Thun schildert uns die SolingerSchwertmacherei in ihren Anfängen wie folgt 9 : „Die Betriebsformder Industrie war die handwerksmäfsige; die Masse der Arbeiterbestand im wesentlichen aus selbständigen Kleinmeistern, und diesewaren in drei Bruderschaften vereinigt, in die der Schwertschmiede,der Härter und Schleifer, und der Schwertfeger und Reider ....Da einerseits den Reidern das Reisen aufser Landes erlaubt war,andererseits in ihren Händen die Schwerter zum Fertigmachen sichsammelten, so eigneten sie sich besonders zum Vertrieb derselbenund es scheint in der That, als ob sie es gewesen, welche in da-maliger Zeit den Klingenhandel besorgt haben . . . Der Gang derFabrikation mag im 15. Jahrhundert wohl folgender gewesen sein.Der Schwertschmied kaufte das Eisen in Stangen, schmiedete indrei Hitzen aus freier Hand die Klinge nach Länge und Dicke ausund gab ihr die erforderliche Form. Teilweise verkaufte er dieSchwerter selbst und liefs in diesem Falle die schwarzen Klingengegen Lohn schleifen und härten, kaufte Scheiden und Griffe, liefssie gegen Lohn bereiden und verhandelte dann die fertigen Schwerter.
1 Zollkatalog von Aosta 960 bei Schulte 1, 68. Nach Schultes Meinunghandelt es sich dabei um Erzeugnisse der Mailänder Waffenindustrie (1, 69).
* Falke, a. a. 0. S. 189. von Below, a. a. 0. S. 148.
3 Hans. Geschichtsquellen 5, XLY.
4 Falke, 144.
B Frensdorff, Dortmunder Stat. CXXXI.
6 Hirsch, 261.
7 Wehrmann, 456.
8 Vgl. noch W. Böheim , D. Waffe und ihre einstige Bedeutung imWelthandel. Zeitschr. f. histor. Waffenkunde 1, 171 ff.
9 Thun, 2, 8 ff. Vgl. auch Böheim , Meister der Waffenschmiede-kunst. 1897.