Druckschrift 
1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen
 

128

Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.

2. die Übermittelung des handwerksmäfsigen Kön-nens von Generation zu Generation.

Das Handwerk als solches vermag nicht zu bestehen, wennnicht durch irgendwelche Vorkehrung für regelmäfsige Übertragungdes Lehrstoffes auf die nächste Generation durch persönliche Unter-weisung gesorgt wird. Einer der nächstliegenden Gedanken ist es,die Handwerkskunst zu einer Familientradition zu machen, d. h.als Trägerin der Kontinuität die schon vorhandene Organisationder Blutsverwandtschaft zu wählen. Offenbar hängt die Erblichkeitder Handwerks- und Künstlerberufe, wie wir sie namentlich beiden Völkern des Ostens * 1 häufig finden, mit dem Bedürfnis ge-sicherter Lehrstoffübertragung zusammen. Als dann die Zünfte sichentwickeln, sind sie die geschaffene Organisation, um jene Funktionzu übernehmen. Dafs sie das mit Bewufstsein auch gethan haben,ergiebt sich aus manchen Anzeichen. So beispielsweise aus derAuffassung, dafs der Lehrling nicht dem einzelnen Meister, sonderndem Handwerk als Ganzem gehöre 2 3 * * * * .

3. ist zu den wesentlichen Leistungen der Zunft jene Thätig-keit zu rechnen, mittelst deren sie eine im Interesse des Hand-werks liegende Schutzgesetzgebung zu befördern und zurAnwendung zu bringen wufste.

Unter dieser Bezeichnung einer Schutzgesetzgebung fasse ichalle jene Bestimmungen früherer Gewerbeordnungen zusammen, diezu Nutz und Frommen der handwerklichen Existenzen alleStörungen des normalen Kreislaufs handwerksmäfsigen Schaffensfernzuhalten berufen waren. Was man gemeinhin Zunftordnungnennt, wie sie ebenfalls schon unendlich oft dargestellt wordenist 8 und wie sie, damit der Zusammenhang in unserem Ge-

Platz trocken, wo die Leineweber ihre Erzeugnisse verkauften. Urkunde von1149 bei Lacomblet , UB. 1 (1840), 251.

1 Vgl. für das alte Ägypten Erman, 2, 610; für das Inkareich WilliamH. Prescott, Geschichte der Eroberung von Peru 1 (1848), 116.

2 Von diesem Grundgedanken werden mit Eecht getragen die Aus-führungen bei Stahl, Das deutsche Handwerk 1, 168 ff.

3 Eine der letzten und übersichtlichsten Zusammenfassungen enthält der

ArtikelZunftwesen von W. Stieda im H. St. Dort findet man auch eine

Übersicht über die wichtigsten Quellen und die Hauptwerke der Litteratur.Unter diesen ragt noch immer die bereits genannte Arbeit Schönbergs

hervor. Vgl. jetzt auch Kulischer , Zur Entwicklungsgeschichte des Kapital-

zinses. Zweite Abteilung in den Jahrbüchern für Nationalökonomie, IU. F.,

Bd. 19, S. 449 ff, 593 ff.