Sechstes Kapitel. Die Existenzbedingungen des Handwerks. 141
in heutiger Währung 27 nach heutigem Geldwert Uber 100 jg',während die Tonne besten deutschen Giefsereiroheisens ab Werkin Düsseldorf 1899 = 81.6 Mk., 1900 = 101.4 Mk. kostete 1 2 .
2. die Menge der beschäftigten Arbeiter: in Wesel wurden im Jahre 1428 5140 Stück Tuch von 342 Webermeisternhergestellt 3 . Rechnet man auf 1 Webermeister (bezw. Weberüberhaupt nach Schmoller) auch nur 2 andere bei der Tuch-bereitung beschäftigte Personen (was sicher viel zu niedrig gegriffenist), so würden für die Herstellung jener 5140 Stück (d. i. dieheutige Monatsproduktion einer grofsen Fabrik) 1000 Personen be-nötigt sein, reichlich das 20 fache der jetzigen Zahl.
3. die Länge der Produktionsdauer: ein gutes Schlofszu fertigen, nahm noch Ende des 15. Jahrhunderts 14 Tage in An-spruch 4 . Wo es sich um kunstvolle Leistungen handelte, rechneteman nach Jahren. Das ganze Geheimnis der architektonischen undkunstgewerblichen Leistungen des Mittelalters, die uns oft in Er-staunen setzen, liegt in der ungeheuren Länge der Herstellungs-perioden. Bekannt sind die Jahrhunderte langen Bauzeiten derStadthäuser und Kirchen. Aber auch die Herstellung der Mobiliennahm oft Jahre in Anspruch: man lese nur die Namenlisten derVerfertiger von Chorstühlen, Intarsien, Schränken etc. durch, diewir in grofser Anzahl besitzen, um zu sehen, wie Generationensich ablösten bei der Herstellung irgend hervorragender Gegen-stände 5 . An den Altären von S. Jacob zu Pistoja und in derTaufkirche zu Florenz sind länger als 150 Jahre die ersten Gold-schmiede beschäftigt; an den Prachtthoren, die wert waren, denEingang zum Paradiese zu verschliefsen, arbeitete Ghiberti 40 Jahre 6 .
4. die Art des Verfahrens, das bei der Produktion in An-wendung kommt. Dieser Punkt leitet uns zu der Frage nach derqualitativen Beschaffenheit der Technik über.
Ist aus Gründen, die wir sogleich kennen lernen werden, diequantitativ geringe Produktivität der Arbeit Voraussetzung hand-werklicher Blüte, so können wir nun fast noch sicherer die quali-tativen Anforderungen umschreiben, die von der Technik erfülltsein müssen, damit sie eine dem Handwerk angepafste sei. Hier
1 Th. Kogers, Ind. and comm. history p. 10.
2 Stat. Jabrb. f. d. D. R. 1901.
8 Mitgeteilt bei E. Liesegang, Niederrh. Städteleben (1897) S. 640. 680.
4 Boissonade, Org. du travail en Poitou 1, 370.
5 E. Foerster, Gesch. der italien . Kunst 3 (1872), 130 f.; 4 (1875), 69 f.
6 G. Semper, Der Stil 2 2 (1879), 514.