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Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.
geheimnisvollen Schleier zu umgeben und vor Profanierung zuschützen.
Es mag daran erinnert werden, wie diese Auffassung der ge-werblichen Thätigkeit als etwas Übernatürliches, Zauberhaftes, weilUnerklärliches uns zurückfuhrt zu den Sagen von der göttlichenHerkunft der Künste und Fertigkeiten, die allen Völkern gemeinsamsind. In den Anfängen der Kultur ist es vor allem die Eisen-bereitung und Eisenverarbeitung, die man mit mystischen Vor-stellungen umspann. „Wie das Staunen der Menschheit über diewunderbare Kunst, welche es versteht, das harte Metall im Feuerzu schmelzen und kostbare Dinge aus ihm zu schmieden, dazugeführt hat, die Erfindung derselben überirdischen Wesen zuzu-schreiben, so kann man sich auch die Ausübung derselben durchirdische Geschöpfe nicht ohne die Zuhilfenahme geheimnisvollerund zauberhafter Mittel vorstellen. Diese Anschauung gilt . . .durch ganz Europa 1 .“
Aber gerade auch in der Periode handwerksmäfsiger Produktionbegegnet uns jene Auffassung auf Schritt und Tritt. Die Ge-heimniskrämerei in so vielen Handwerken, namentlich in den Bau-gewerben, während des Mittelalters hängt aufs engste damit zu-sammen. „Die Baukunst wurde geheim gehalten und daher ineine symbolische Sprache und in symbolische Formen gehüllt.Jede Mitteilung an Fremde war verboten. Ebenso die schriftlicheAbfassung der Geheimlehre 2 .“ Hierher gehört auch die Sitte desVerbleibungseides, die uns so häufig im Mittelalter begegnet: sodurften beispielsweise die Brüder des Solinger Schwertschmiede -und des Härter- und Schleiferhandwerks „nicht das Land verlassen,nicht das Geheimnis verführen, und keinen andern die Kunst lehrenals ihren eigenen Söhnen“ 3 .
Derartige Zusammenhänge zwischen der handwerksmäfsigenOrganisation und der Eigenart des empirischen Verfahrens liefsensich noch viele anführen 4 . Aber es wäre damit der Erreichung
1 0. Schräder, Sprachvergleichung und Urgeschichte. 2. Aufl. 1890,S. 236 ff. Uber diese abergläubische Scheu der Naturvölker vor den Schmiedenhandelt ausführlich K. And ree, Die Metalle bei den Naturvölkern (1884)S. 40 ff.
2 Vgl. Heideloff, Bauhütte des M.-A. S. 16—18 und dazu v. Maurer2, 483.
3 Thun, Ind. am Niederrhein 2, 9.
4 Hierher gehört auch die hartnäckige Opposition des rechten und echtenHandwerkers gegen jede technische Neuerung, wofür die Geschichte des Hand-werks zahlreiche Belege enthält. Viele lehrreiche Beispiele teilt LevaS3eur