Sechstes Kapitel. Die Existenzbedingungen des Handwerks. 145
des Ziels, das wir verfolgen, nur unvollkommen gedient. Die Auf-gabe kann nicht die sein, kasuistisch die Bedingtheit einzelnerPhänomene des Handwerks durch die Technik aufzudecken, sondernden principiellen Nachweis zu führen, dafs Handwerk ohne einenStand der Technik (ohne den geringen Grad ihrer Entwicklungoder die Eigenart ihrer Verfahrungsweise), wie ihn die vergangeneZeit, insonderheit die Jahrhunderte des Mittelalters erreicht hatten,nicht möglich ist. Dieser Nachweis wird sich (wenn überhaupt)nur auf Umwegen erbringen lassen. Nämlich dadurch, dafs mandie eigenartigen Absatzverhältnisse, auf die auch vonanderer Seite gelegentlich als auf eine für den Bestand des Hand-werks unentbehrliche Voraussetzung hingewiesen worden ist (ohnefreilich auch nur den Versuch einer systematischen Begründung derobwaltenden Bedingtheit zu machen), dafs man diese Absatzverhält-nisse selbst wiederum in ihrer Abhängigkeit von Quantum undQuäle des technischen Könnens jener Zeiten zu verstehen unter-nimmt. In ihrer Abhängigkeit von der Technik und der p o -pulationistischen Signatur der Zeit, die wir als zweite derbestimmenden Grundthatsachen betrachten wollten.
Unter Absatzverhältnissen im weiteren Sinne verstehe ich einZweifaches:
1. die Bedingungen, unter denen sich der Produzent (Hand-werker) in den Besitz der nötigen Produktionsmittel setzt;
2. die Bedingungen, unter denen er seine Produkte ver-äufsert.
Wir können im ersteren Falle von Bezugsverhältnissen, imletzteren von Absatzverhältnissen im engeren Sinne oder Ver-wertungsverhältnissen sprechen.
1. Die Bezugsverhältnisse, damit sie einer handwerks-mäfsigen Organisation angepafst seien, müssen am liebsten so über-sichtlich und einfach gestaltet sein, dafs sie ein Durchschnittshand-werker mit seinem Durchschnittsverstande ohne besondere Kennt-nisse und Fertigkeiten neben seiner Thätigkeit als gewerblicherArbeiter her gleichsam im Nebenamte zu überschauen und zu be-herrschen vermag. Das trifft überall dort zu, wo Bohstoff oderHalbfabrikat in herkömmlicher Weise vom Nachbar-Bauern aus der
1 2 , 625 ff. mit. Ich erinnere aus dem Gebiete der Textilindustrie an den Kampfgegen die Appretur (Geering S. 362), gegen das Mangan (Gothein, W. G.1, 541); im allgemeinen an die zahllosen Verbote, bessere Verfahrungsweisenanzuwenden. Vgl. z. B. E. Mummenhoff, Der Handwerker S. 110.
Sombart, Der moderne Kapitalismus. I. 10