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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
148
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148 Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.

engern Sinne, d. h. mufs die Art und Weise sein, wie die Produktean den Mann gebracht werden, um den Anforderungen des Hand-werks zu entsprechen? Auch auf diese Frage lautet die Antwortzunächst wieder ganz allgemein: der Absatz mufs gesichertund stabil nach Qualität und Quantität, mit andern Worten: erdarf noch kein Problem geworden sein. Mag er dann vom Hand-werker selbst als Nebenfunktion, mag er von einer berufsmäfsigenHändlerklasse ausgeübt werden: das bleibt sich gleich. Auch imletzteren Falle können alle Bedingungen erfüllt sein, die eine hand-werksmäfsige Organisation der Produktion möglich oder sogar viel-leicht notwendig machen.

Worauf es nur ankommt ist dieses, dafs der Produzent keineranderen Qualitäten benötigt als der eines gewerblichen Arbeiters.Das trifft aber dann zu, wenn der gewerbliche Arbeiter bei ruhigerFortsetzung seines Werkes niemals Gefahr läuft, sein Produktüberhaupt nicht oder zu nicht lohnenden Preisen verwerten zukönnen.

Wann aber ist dies der Fall, wann ist der Absatz solcherartgesichert und stabil?

Die herrschende Theorie antwortet darauf: wenn und solangedas Verhältnis zwischen Produzent und Konsument das Kunden-verhältnis ist, d. h. der Absatz ohne Zwischenglieder oder sogarnur an bekannte Personen auf Bestellung erfolgt. Unzweifelhaftist nun das Moment eines regelmäfsigen Verkehrs zwischen Pro-duzenten und einem geschlossenen Kreise von bestellenden Kon-sumenten ein sehr wesentliches für die Sicherung und Stabilisierungder Absatzverhältnisse und ganz gewifs wird ein grofser Teil allerhandwerksmäfsigen Produktion durch dieses Kundenverhältnischarakterisiert. Aber ebenso unzweifelhaft, darauf wurde schonhingewiesen, deckt sich handwerksmäfsige Produktion und Kunden-produktion keineswegs. Die Kundenproduktion schafft keineswegsimmer derartige Absatzverhältnisse, dafs sie die Existenz hand-werksmäfsigen Produzenten ermöglichen. Das Schneiderhandwerkbeispielsweise ist zu Grunde gegangen, trotzdem in weitem Um-fange an dem Kundenverhältnis der Konsumenten nichts verändertist. Zu den frühesten kapitalistisch betriebenen Gewerben gehörtdie Kundenschneiderei, die als Handwerk in London schon Anfangdes 18. Jahrhunderts erschüttert ist 1 . Und die Fälle sind gar nichtao selten, in denen die handwerksmäfsige Organisation eines Gewerbes

1 Vgl. S. und B. Webb, History of Trade Umonism (1894) 25 ff.