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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.

zum Erlafs von Preismaximen auch für Handwerksarbeit sich ge-nötigt sah 1 .

Ist aber die Ziffer der Produzenten festgegeben, so wird offen-bar ihr Gesamtangebot abhängig sein von dem Ausmafs ihrer Pro-duktivität. Je unentwickelter diese, desto geringer die Gefahr einerAbsatzschwierigkeit. Und es kann gar nicht oft und entschiedengenug betont werden, wie es das geringe Ausmafs der Pro-duktivität in aller früheren Zeit ist, das dem Handwerk seinenFrieden sichert: wie der Zusammenhang sich herstellt, dürfte nachden vorausgehenden Darlegungen nun nicht mehr zweifelhaft sein.

Aber alles, was bisher an Gründen beigebracht wurde, die aufder Seite des Angebots dem Handwerk die Existenz möglich machen,galt doch nur für die durch die Gesamtproduktion bestimmte Signaturder Absatzverhältnisse. Bleibt zu prüfen, welche Umstände essind, die auch den einzelnen Teilnehmern an der Gesamtproduktion,den einzelnen Handwerkern jedem für sich ein verhältnismäfsigsicheres Dasein gewährleisten, d. h. also auch unter den An-gehörigen des gleichen Gewerbes Konkurrenz aus-schliefsen 2 .

Was das Wesen der Konkurrenz der Warenverkäufer unter-einander ausmacht, ist die Fähigkeit des einzelnen Produzenten, »

die Ware besser oder billiger als sein Nachbar auf den Marktbringen zu können, ist mit einem Worte jene schon erwähnte Unter-bietungsmöglichkeit. Wo diese fehlt, fehlt die Konkurrenz 3 . Sieist aber stets nur im beschränkten Umfange vorhanden dort, wo

1. das empirische Verfahren herrscht. Deshalb, weildieses die Verbilligung oder Verbesserung jedenfalls nur in einemlangen Umbildungsprozesse möglich macht. Wir wissen, wie sehrdie raschen Fortschritte der Technik dem Wesen der Empirie fremd

1 Vgl. für Frankreich Levasseur l 2 , 500; für Italien Kovalewskia. a. 0. S. 414 ff.; für England Cunningham 1, 306 f.

2 Der einzige Forscher, soviel ich sehe, der diese Frage überhaupt an-geschnitten hat, ist Franz Oppenheimer , Die Siedlungsgenossenschaft

(1896), S. 133 ff. und G-rofsgrundeigentum und sociale Frage (1898), S. 330 ff. *

Seine positiven Erklärungsversuche freilich lassen mich unbefriedigt. Aberwer hätte nicht das Recht zu irren auf so wenig begangenen Pfaden!

3 Man kann diese Konkurrenz als qualitative bezeichnen und sie derquantitativen gegenüberstellen, die durch die blofse Thatsache der Über-setzung eines Gewerbes hervorgerufen wird. Im Laufe der Entwicklung tratletztere auch in der Zeit handwerksmäfsiger Produktion hervor: daher dieExklusivitätstendenzen der Zünfte in späterer Zeit. Weiteres über das Wesender Konkurrenz siehe im zweiten Bande.

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