Sechstes Kapitel. Die Existenzbedingungen des Handwerks. 155
sind. Wir wissen, dafs es nur gleichsam Glücksfälle sind, die einalthergebrachtes Verfahren durch ein zweckmäfsigeres ablösen. Wirwissen aber auch, dafs alles empirische Können an der Personhaftet und nur durch diese, mit dieser übertragen werden kann.Selbst einmal angenommen also, dafs irgend ein Handwerker einewesentliche Verbesserung in Anwendung brächte, wodurch ein Er-zeugnis schöner oder biller geliefert werden könnte, so würde zu-nächst dieses Verfahren in die Sphäre seiner persönlichen Wirksam-keit gebannt sein. Es ist gleichsam ein natürliches Patent, das derErlinder ausntitzt. Und nur in dem Mafse, wie er sein höheresKönnen durch persönliche Unterweisung überträgt, verallgemeinertes sich. Zunächst bleibt es nur Alleinbesitz und wirkt auf dieGestaltung der Absatzverhältnisse nur in dem bescheidenen Rahmen,in dem sich die Arbeitsleistung seines Inhabers bewegt. Was unsheute ein Vorrecht künstlerischer Gestaltung erscheint: die Bannungdes Ausmafses der Produktion an die Wirkungssphäre einer Per-sönlichkeit, das müssen wir uns für die Zeit der rein empirischenTechnik verallgemeinert denken für die meisten Verbesserungen desVerfahrens, durch die eine Steigerung der qualitativen Reize odereine Verringerung der Produktionskosten eines Erzeugnisses herbei-geführt werden konnten.
2. Diese in der Natur des empirischen Verfahrens begründeteVerlangsamung des technischen Fortschritts und die daraus folgendeBehinderung erfolgreichen Wettbewerbs auf dem Warenmärkte wirdnun aber in ihrer Wirkung erst recht empfunden dort, wo die Mittelfehlen, die recht eigentlich erst Verbesserungen der Verfahrungs-weisen zu bewirken bezw. in die Praxis einzuführen imstande sind.Dieses sind, wie noch des näheren zu zeigen sein wird, die Nutzbar-machung gröfserer und mächtigerer Naturgewalten, vor allem aber,wie wir schon wissen, die Zusammenfassung zahlreicher Arbeits-kräfte zu einem gesellschaftlichen (Grofs-)Betriebe. Ist jene ab-hängig von den Fortschritten des technischen Wissens, so diesevon zwei socialen Bedingungen: erstens dem Vorhandenseinarbeitswilliger Menschenmassen, und zweitens der Anhäufung vonWerten, die zum einstweiligen Unterhalt der im grolsen thätigenArbeitskräfte sowie zur Beschaffung der für ihre Beschäftigungerforderlichen Produktionsmittel dienen können, vulgo einer ent-sprechenden Kapitalaccumulation.
Wo eine dieser Bedingungen oder gar beide unerfüllt sind, daist es beim besten Willen unmöglich, auch wenn ein Produzent imBesitze eines vollkommeneren Verfahrens wäre, den Nachbar durch