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Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.
eine erfolgreiche Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Aberdamit greift unsere Untersuchung schon auf ein Gebiet hinüber,das erst später betreten werden soll. Was in den letzten Sätzenzum Ausdruck kam, war der im Grunde selbstverständliche Ge-danke: dafs Handwerk zur Voraussetzung seines Gedeihens dieNichterfüllung derjenigen Bedingungen hat, an die die Existenzdes Kapitalismus geknüpft ist. Welches diese sind, soll nun abererst noch genauer festgestellt werden, und den Nachweis zu führen,wie sie sich im Laufe der Geschichte erfüllen, ist die eigentlicheAufgabe der folgenden Darstellungen, auf die der Leser nunmehrzu vertrösten ist.
Nur einem Gedanken möchte ich hier noch Ausdruck geben.Es ist die Erinnerung, dafs, auch von allen bisher angeführtenMomenten abgesehen, immer noch ein Umstand bestehen bleibt,der bei dem von uns angenommenen Stande der Technik eineKonkurrenz im modernen Sinne, wenigstens zwischen Produzentenan verschiedenen Orten, so gut wie ausschliefsen würde: ich meinedie Schwierigkeit, die mit einem bevorzugten Verfahren oder untersonstwie günstigeren Bedingungen hergestellten Erzeugnisse überein gröfseres Gebiet zu versenden. Denn an der Unvollkommen-heit der Technik einer Zeit nimmt ja nicht zum wenigsten dieTransporttechnik teil.
Berücksichtigt man aber deren niedrigen Stand bis in dieneueste Zeit hinein, namentlich während des früheren Mittelalters,zieht man die unglaubliche Verfassung des Landstrafsenwesens inBetracht, so mufs man sich erstaunen, dafs überhaupt noch sovielWarenbewegung vor unserer Zeit stattgefunden hat, wie es that-sächlich doch der Fall. Das Erstaunen wird nicht behoben, auchwenn man erwägt, dafs es fast ausschliefslich die Wasserstrafsenwaren, an denen sich der Verkehr entlang zog und dafs die Schiffahrts-technik nicht so rückständig war wie die der Überlandbeförderung.Immerhin bleibt auch für die Wasserbeförderung die Thatsacheaufser Zweifel, dafs sie eine sehr kostspielige Sache war und dafsdaher die Zuschläge, die auf den Herstellungspreis der Ware ausden Transportkosten — von der Verteuerung durch die unzähligenZollabgaben will ich gar nicht reden 1 — entfielen, unzweifelhaft
1 Die Belastung mit Flufszöllen war eine so grofse, dafs sie viel-fach die Kaufleute auf die Landwege drängte. Vgl. für den RheinSchulte 1, 435 und Th. Sommer lad, Die Rheinzölle im Mittelalter, 1894.Ein Fafs Wein hatte auf der Elbe von Dresden nach Hamburg an 30 Zoll-stätten Zoll zu zahlen. Falke, Zollwesen S. 221. Bis zur Mündung der Elbe
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