Druckschrift 
1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
159
Einzelbild herunterladen
 

Sechstes Kapitel. Die Existenzbedingungen des Handwerks.

150

Ausdruck finden: Stabilität der Absatzverhältnisse bezw. Gestaltungdes Marktes zu Gunsten des Angebots.

Von der thatsächliclien Preisgestaltung während des Mittelalterskann sich jedermann leicht in den monumentalen Werken vonDAvenel, Lamprecht, Cibrario und namentlich Th. Rogersleicht überzeugen.

Eine oder die andere Tabelle aus ihnen hier mitzuteilen, würdenicht nur überflüssig, sondern in gewissem Sinne sogar bedenklichsein, da die richtige Wertung der Ziffern die Gesamtkenntnis jener

Werke zur notwendigen Voraussetzung hat.

* *

*

Schauen wir nunmehr einen Augenblick zurück auf die Weg-strecke, die wir in unseren letzten Ausführungen zurückgelegt haben,so ergiebt sich uns folgendes Resultat:

Wir hatten gefragt nach den objektiven Bedingungen hand-werksmäfsiger Produktion und hatten zunächst als Antwort erhalten:bestimmte Organisationsformen und bestimmte Gestaltungen derGewerbeordnung. In der That hat uns eine Übersicht gelehrt, dafsfast überall, wo wir Handwerk antreffen, wir auch einer eigentüm-lich gearteten Gliederung der einzelnen Produzenten untereinandersowie einer besonderen Rechtsordnung begegnen. Wir haben dennauch die Zweckbestimmtheit beider verstehen lernen, haben ein-gesehen, wie sie den Strebungen des Handwerks förderlich zu seinberufen sind. Aber wir vermochten bei dieser Einsicht nichtstehen zu bleiben. Aus der Beobachtung, dafs Handwerk auchohne jene organisatorischen Voraussetzungen zu Zeiten bestandenhabe und trotz ihrer zu anderen Zeiten nicht habe bestehen können,schlossen wir, dafs die Existenzfähigkeit des Handwerks an dieErfüllung noch anderer als jener blofs formalen Bedingungen ge-knüpft sei. Unsere Untersuchung führte uns denn auch zu derErkenntnis dieser Bedingungen, die wir vor allem in der Gestaltungder Absatzverhältnisse kennen lernten, die ihrerseits wieder ihreeigene Bedingtheit in einer bestimmten Gestaltung des technischenKönnens und der Bevölkerungsverhältnisse fanden.

Wollen wir nunmehr eine Vereinigung jener formalen unddieser materiellen Bedingungen handwerksmäfsiger Produktion vor-nehmen, so können wir Zunftorganisation und Zunftgesetzgebungals Hilfskonstruktionen bezeichnen, die vorgenommen werden, umden Bestand des Handwerks zu sichern. Hilfskonstruktionen, dieschon erkennen lassen, dafs von dem Bau selbst Teile abzubröckelnbeginnen oder Teile ins Wanken kommen. Sind jene von uns für