Siebentes Kapitel. Der vorkapitalistische Handel.
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Reval (1384) 131 085 Mk. liib. oder 1 245 305 Mk. heutige Währung
Hamburg (1400) 336 000 - - - 3192 000 - -
Lübeck (1384) 293 760 - - - 2 790 720 -
Rostock (1384) 76 640 728080 -
Nach den Berechnungen Schultes ist der sich über denS. Gotthard bewegende Jahresverkehr im Spätmittelalter auf eine Ge-wichtsmenge von 1250 t anzusetzen, das ist, wie bekannt, der Inhaltvon 1—2 Güterzügen.
Recht genau sind wir über die Ausmafse des städtischen Ge-treidehandels im Mittelalter und zum Beginn der Neuzeit unter-richtet. Die Menge des Getreides, das im 16. und 17. Jahrhundertin den bedeutenden Getreidehandelsplätzen Stettin und Hamburg in den Handel kam, betrug in Stettin 2—3000 t, in Hamburg dasDoppelte, der gesamte Jahresumsatz Stettins an Getreide in seinerBlütezeit umfafste also eine, derjenige Hamburgs zwei unsererheutigen Schiffsladungen 1 .
Hans. Geschichtsquellen Bd. 5 (1887). LVI, LVII. Die Einleitung Stiedas zudieser Edition gehört unzweifelhaft zu den wertvollsten Publikationen über$ mittelalterlichen Handel.
1 Ygl. W. Naudd, Deutsche städtische Getreidehandelspolitik vom 15.bis 17. Jahrhundert etc. 1889, und dazu meine Anzeige des Buches inSclimollers Jahrbuch XIV, 312 ff. Ich habe dort versucht, auf rechnerischemWege und durch Vergleiche mit modernen Verhältnissen eine genauere Vor-stellung von dem Umfange des Getreidehandels Hamburgs und Stettins inihrer Blütezeit zu gewinnen. Das Ergebnis war folgendes: „Fassen wir nurdas Getreide ins Auge, das in den Handel kam, so waren es in Stettin ca.2—3000 t, in Hamburg das Doppelte, Einen heutigen Getreidehandelsplatzzum Vergleich heranzuziehen ist nicht möglich, denn auch der kleinste istzehnmal so grofs wie die gröfsten von damals; Plätze zweiten Ranges heut-zutage, wie Danzig, Königsberg, Riga , haben einen Jahresumsatz, der viel-leicht 200 mal gröfser als der Stettiner, 80—100 mal gröfser als der Hamburgerim 16. und 17. Jahrhundert war; selbst Getreidehandelsplätze dritten Ranges,wie Reval, Bremen u. s. w., setzen 50—60mal mehr um. Stralsund führte1888 seewärts 21000 t Getreide aus, also noch 10 mal so viel wie das damalige|r Stettin, 4—5mal so viel wie das damalige Hamburg ; ein verlassener Hafen,
wie Leer , ein Nest von 10 000 Einwohnern, hatte noch 1884 eine Einfuhr anGetreide von 20 916 t. Wir müssen immer tiefer herabsteigen, um ein Ana-logon für unsere „bedeutenden“ Getreidehandelsplätze des ausgehenden Mittel-alters zu finden; leider verläfst uns hier die Statistik; denn Häfen, wie Stolp -münde, Rügenwalde, Deep, Wismar , bieten uns keine Zahlen mehr. Sie abersind es, mit denen wir das damalige Hamburg und Stettin allein vergleichendürfen.“