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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
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27(3 Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.

Schlages machen, so müssen wir zunächst alles vergessen, was wirvom modernen Handel und seinen Trägern wissen.

Dieser ist ja vor allem und heute fast ausschliefslich Organi-sator des Absatzes. Seine Kunst, die er ausübt und die er zueiner Wissenschaft weiter gebildet hat aus Gründen, die inanderem Zusammenhänge genauer dargelegt werden besteht, wiewir es nennen, in derBeherrschung des Marktes. D. h. ermacht es sich zur Aufgabe und die Eigenart des modern enWirtschaftslebens bringt es mit sich, dafs die Erfüllung dieser Auf-gabe als die Ausübung einer hochzulohnenden Funktion betrachtetwird die Waren an den Mann zu bringen. Überall dort istdas eigentliche Thätigkeitsgebiet modernen kaufmännischen Wesens,wo der Markt übersetzt ist, wo zwei Produzenten einem Käufernachlaufen. Dann wird der Kaufmann Herr der Situation,dann beginnt er, den Produzenten in Abhängigkeit von sich zubringen. Dann ist er aber ein guter Kaufmann auch nur, wenner scharfsinnig zu disponieren, zu kalkulieren, zu spekulieren ver-steht. Von alledem aber weifs ja nun die frühere Zeit, wissen dieJahrhunderte insbesondere, die wir Mittelalter nennen, dank derunentwickelten Produktionstechnik so gut wie nichts. Absatznot,aus der allein der moderne Kapitalismus geboren wird, ist ihnenfremd. Zwei Käufer laufen in der Regel einem Produzentennach. Der Absatz bewegt sich in gewohntem Rahmen, in aus-gefahrenen Geleisen. Die Mengen der umzusetzenden Waren sindgering. Wo also in aller Welt sollte der Händler etwas zudisponieren, zu kalkulieren oder zu spekulieren finden? Aber die-selbe Verumständung, die seine Entwicklung zum kapitalistischenUnternehmer hintanhält: sie zwingt ihm eine Menge von Arbeits-verrichtungen technischer Natur auf, die dem Kaufmann heutigenTages abgenommen sind. Fand sich für ihn keine Gelegenheitzu disponieren, kalkulieren und spekulieren, so hatte er um somehr zu emballieren, zu misurieren, zu transportieren, zu detail-lieren, ja auch gelegentlich noch zu fabrizieren. Man weifs 1 ,

1 Vgl. darüber die zusammenfassende Darstellung bei Schmoller, DieThatsacken der Arbeitsteilung, in seinem Jahrbuch 13, 1055 ff., und G-engler,Deutsche Stadtrechtsaltertümer (1882), 456 ff. Viel Material bei Kl öden,namentlich Stück 2 und 3, und Falke, Zolhvesen, 197 ff. Aus der neuerenLitteratur sind hervorzuheben A. Doren, Untersuchungen zur Geschichte derKaufmannsgilden des Mittelalters. 1893, und Des Marez, La lettre de foireä Ypres au XIII. si&ele (1901), 75 ff. Es sei auch an dieser Stelle daran er-innert, dafs der Begriff desHandels sich ursprünglich mit dem desWandels,