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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Erstes Buch. Die Wirtschaft als Handwerk.

stereotypen Wendungen wieder: das Verbot des Vorkaufs 1 ; dieVerpflichtung, den Genossen in den Kaufvertrag eintreten zu lassen 2 ;das Verbot der KundenabVeibung 3 ; das Verbot der Preisverabre-dung 4 und viele ähnliche Bestimmungen.

Also von allen Seiten her die Bestätigung unseres Satzes: derberufsmäfsige Handel des Mittelalters, genauer gesprochen derHandel Italiens bis tief in das 14., der des übrigen Europas bis indas 16. Jahrhundert hinein trägt das unverkennbare Gepräge derHandwerkshaftigkeit. Auf eine Darstellung der realen Existenz-bedingungen des vorkapitalistischen Handels kann verzichtet werden:es sind dieselben, die den Bestand des Handwerks ermöglichen.

1 Statut der Kipen- und Dänemarkfahrer zu Stade ( 14. Jahrh.):were datyement in der kumpenye deme andern dar vorekop dede de schal der kum-penye dat beteren mit 4 olden groten. Hans. Urkundenbuch III. n. 183art. 7.

2The gildsman was generally under Obligation to share all purchaseswith his brethren, that is to say, if he bought a quantity of a given Commo-dity, any other gildsmen could claim a portion of it at the same price atwhich he purchased it. Grofs 1, 49. Belege 2, 46. 150. 161. 185. 218. 219.226. 290. 352. Die Statuten der Gilde von St. Omer enthalten die Bestim-mung in § 2:si quis vero guildam liabens mercatum aliquid non ad victumpertinens valens V gr. s. et supra taxaverit et alius gildam habens super-venerit si voluerit in mercato illo porcionem habebit. Doren, 60. Häufiglauten auch die Bestimmungen dahin, dafs ein Käufer verpflichtet sei, solangeder Kauf nicht perfekt, jedes andere Mitglied der Genossenschaft auf Ver-langen zur Hälfte am Kaufe teilnehmen zu lassen. Vgl. F. Conze , Kaufnach hanseatischen Quellen. Bonner J. D. 1889. S. 16 f.

8 Das Statut der florentiner Societas campsorum vom Jahre 1299 ver-bot den Mitgliedern der Zunft, in der Stadt umherzugehen, um sich nach, Wechselgeschäften umzusehen. DieBankiers sollten ruhig bei ihren Ständenwarten, bis die Kunden zu ihnen kämen, damit die Gelegenheit des Verdienensfür alle Mitglieder der Zunft eine möglichst gleiche sei. H. Sieveking,Genueser Finanzwesen 2 (1899), 44. Dasselbe besagt ein Strafsburger Weis-tum über die Eechte der Hausgenossen aus den 1380er Jahren: 35.Es solouch nieman in deheins würtes husz gon wehssein, der würt sende dannmit namen nach ime oder der gaste, der do wehssein wil ... 37.Die andem fritage uff dem bloche sitzent und wechsselnt, die sollent nieman rufienüber den graben noch winken . . Abgedr. bei K. Eheberg, Über dasältere deutsche Münzwesen und die Hausgenossenschaften. 1879. S. 188. 189.Die von E. abweichende Datierung nach J. Cahn, Münz-und Geldgeschichteder Stadt Strafsburg im Mittelalter. 1895. S. 31.

4 Verbote von Preisverabredungen in den italienischen Städten siehe beiJ. Kollier, Strafrecht der italienischen Communen 1892. Dazu vgl. A. Li-zier, La vita sociale del secolo XII.XVI. nella legislazione penale degliStatuti italiani di quel tempo in der Kivista intern, di scienze soc. Aprile 1900.pag. 510.