212 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
verdecken, den unsere Feststellungen uns zu verschaffen geeignetsind.
1. Obwohl der Unternehmerprofit stets einen Anteil an demArbeitserträge des technischen Arbeiters darstellt, braucht er keines-wegs die Erträgnisse der Arbeit des letztgenannten zu schmälern.Im Gegenteil kann — und in der empirischen Gestaltung der Dingebildet dieser Fall wohl sogar die Regel — nach Abzug der aufden Profit entfallenden Quote des Arbeitsertrages dessen Rest eingröfseres Güterquantum repräsentieren, als es ohne Dazwischentretendes kapitalistischen Unternehmers der Fall sein würde. Ein Kauf-mann, der die Waren zweier Handwerker austauscht, kann immernur einen Profit einheimsen, wenn ihm jeder (oder einer) der beidenProduzenten eine Quote seines Arbeitsertrages abtritt (es wirdunterstellt, dafs die ganze Erde nur von zwei Handwerkern undeinem Händler bevölkert sei). Gleichwohl kann infolge der ver-mittelnden Thätigkeit des Kaufmanns sich das dem einzelnen Hand-werker zufallende Güterquantum gegen früher verdoppeln: Wirkungeiner Steigerung der relativen Produktivität der Arbeit. Ebensokann das dem Arbeitslohn entsprechende Güterquantum, das denin einer kapitalistischen Unternehmung organisierten Webern zufällt,gröfser sein, als die Summe des von derselben Anzahl von Webernproduzierten Güterquantums ausmachen würde, wenn sie als Hand-werker jeder für sich arbeiteten: Wirkung einer Steigerung derabsoluten Produktivität der Arbeit. Konfusionare haben auf dieserThatsache die Theorie von der „Produktivität des Kapitals“ auf-gebaut. Es ist aber ebenso unklar gedacht, wenn man etwa, wiees heute mehr als je geschieht, den technischen Arbeiter für den„produktiven“ oder sogar allein produktiven anzusprechen und ihmdie „unproduktiven Stände“ der Händler gegenüberzustellen beliebt.Volkswirtschaftlich betrachtet trägt die disponierende Thätigkeit deskapitalistischen Unternehmers — er mag über Warenbewegung Kauf-verträge oder mit Arbeitskräften Lohnverträge abschliefsen — min-destens ebensoviel, wenn nicht mehr, zur Ergiebigkeit der technischenArbeit bei als diese selbst. Ob ein Schuster ein oder zwei Paar Stiefelnin einem Tage herzustellen vermag, hängt natürlich am letztenEnde ebenso von der Thätigkeit des organisierenden Kapitalistenwie von derjenigen des Schusters ab, der in seiner Fabrik arbeitet.Und sicherlich ist die Begründung und Leitung einer Schuhfabrikeine volkswirtschaftlich „produktivere“ Leistung als das Hantierendes handwerksmäfsigen Schusters mit Hammer und Pfriemen. Ge-radezu unsinnig ist es aber, aus der Thatsache , dafs ein kapita-