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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Achtes Kapitel. Begriff und Wesen des Kapitalismus .

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listischer Unternehmer nur Profit machen kann, wenn er Teile desArbeitsertrages der von ihm organisierten Arbeiter einbehält, dieethische Begründung eines sog. Rechtes auf den vollen Arbeits-ertrag ableiten zu wollen.

2. ist es eine ganz verkehrte Vorstellung, dafs der Profit derkapitalistischen Unternehmer immer nur aus Anteilen am Arbeits-erträge der in seinem Dienst oder im Dienste anderer beschäftigten

* Lohnarbeiter bestehen könne. Der verfehlte Ausgangspunkt, denKarl Marx für seine Mehrwertlehre nahm aus der Cirkulations-sphäre! hat den genialen Mann in diese grundfalsche Anschau-ung hineingetrieben. Es ist vielmehr ausdrücklich zu konstatieren,dafs der Profit ebenso wie aus einbehaltenen Arbeitserträgen derLohnarbeiterklasse aus Anteilen sich zusammensetzen kann, die demKapitalisten von den Arbeitserträgen selbständiger Produzenten(Handwerker oder Bauern) zufliefsen. In dieser Thatsache liegt dieBegründung eingeschlossen für die Existenzmöglichkeit kapita-listischer Handelsunternehmungen inmitten handwerksmäfsiger oderbäuerlicher Produktion: ein Fall, den Marx bekanntlich immer nurals anormale Erscheinung hat zu deuten vermocht. Warum in allerWelt aber soll ein Kapital von einer Million Mark, das in einem

» Friseurgeschäft investiert ist, sich nicht normal verwerten können,

auch wenn die von ihm betriebene Thätigkeit lediglich inmitten vonBauern oder Handwerkern ausgeübt wird: jede Bezahlung einesShampooings enthält alsdann die Gewährung eines Anteils an demArbeitserträge des betroffenen selbständig produzierenden Bauernoder Handwerkers.

Dies vorausgeschickt, können wir nunmehr uns der Beantwor-tung der Frage zuwenden: Wie ist Profit möglich'? Dabei wollenwir uns nicht mit der Feststellung lange aufhalten, dafs die all-gemeine Voraussetzung seiner Existenz ein bestimmter Höhegradder Produktivität technischer Arbeit ist; denn damit würden wirnur eine Tautologie aussprechen. Vielmehr soll näher geprüftwerden, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit der vor-handene oder mögliche Mehrertrag der technischen Arbeit nun auch

* wirklich in Profit verwandelt werde.

Nach der hier vertretenen Auffassung kann Profit entstehendurch Anteil an dem Arbeitserträge der Käufer (von Warenoder Diensten) ebenso wie der Verkäufer (von Arbeitsleistungen).Demnach wird entscheidend für die Möglichkeit der Profitbildungsein:

1. die Beschaffenheit der Käufer von Waren oder