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Neuntes Kapitel. Die Vermögensbildung etc. 221
nach der Vermögensbildung im Handel gewonnen? Nichts, absolutgar nichts. Denn aus hohen Preisaufschlägen darf doch nicht etwaschon ohne weiteres auf hohe Profite geschlossen werden?! Esscheint allerdings fast, als ob dieser Trugschlufs manchem Historikerdurchaus nicht fern liege. Deshalb müssen wir unsere Untersuchungjetzt weiter führen und prüfen, ob bei dem mittelalterlichen Handelhohe Profite erzielt sind. Ich will meine Auffassung gleich vorweg► dahin zusammenfassen, dafs m. E.
2. die hohen Aufschläge bei der Eigenart des mittelalterlichenHandels häufig genug mit niedrigen Profitraten Hand inHand gingen.
Die Preisaufschläge stellen den Bruttogewinn des Händlers dar;wollen wir den Reingewinn ermitteln, den er an dem betreffendenGeschäfte macht, so müssen wir — kaufmännisch gesprochen — dieihm erwachsenen Spesen von der draufgeschlagenen Summe ab-ziehen. Dies dürfte nicht unbekannt sein. Nun wissen wir aber,dafs die Spesen in jenen Zeiten, in denen wir uns bewegen, nachheutigen Begriffen exorbitant hoch waren. Sie setzen sich zu-sammen :
a) aus den sehr beträchtlichen Transportkosten;
^ b) aus den nicht minder beträchtlichen Zollgefällen;
c) aus denjenigen Unkosten oder Verlusten, die aus der Un-sicherheit der Strafsen entsprangen. Diese forderte entweder teuresGeleit oder führte zu häufigen Beraubungen und Einbufsen, ver-( teuerte also auf alle Fälle den Transport, auch da, wo etwa schon
die Transportversicherung eingedrungen war, die alsdann natürlichmit sehr hohen Prämien arbeiten mufste.
Aus dem uns reichlich zufliefsenden Material will ich zunächstan einem Musterbeispiel im einzelnen zeigen, in welcher Weiseselbst die höchsten Zuschläge von den enormen Spesen zum gröfstenTeile verschlungen werden konnten. Ich wähle die bekannte,sehr detaillierte Spesenberechnung für den englisch -florentinischenWollhandel bei Uzzano als solches Beispiel 1 . Dabei ist zu be-merken, dafs die Berechnung Uzzanos dem Spätmittelalter an-^ gehört — die Pratica della mercatura ist im Jahre 1442 ge-
schrieben —, und sich auf italienische Verhältnisse bezieht, dieschon eine hochentwickelte Organisation des Frachtverkehrs undder Seeassekuranz aufweisen, dafs also das Beispiel sicher ein
(Pagnini), Della decima e di varie altre gravezze imposte dal com-mune di Firenze. 4 Vol. 1765. 4, 118.