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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
solches ist, das kein Maximum, sondern eher ein Minimum vonSpesen darstellt. Ich habe die sehr komplizierten Angaben Uzzanos,von denen einige, allerdings wohl nur unbedeutende, überhauptunverständlich sind, durch Berechnung aut 100 florentiner Pfd. undflorentiner Gulden, sowie durch Weglassung kleiner Beträge übersicht-licher zu machen versucht, sodafs sich nun folgendes Bild ergiebt:
Der Einkaufspreis für 100 Pfd. Wolle (brutto) beträgt an derProduktionsstätte in England 10% fl. Die Verpackungs- undTransportkosten, sowie die Abgaben, die auf dem Wege bis zurenglischen Küste zu entrichten sind, beziffern sich auf 5% fl.,würden also schon 50 °/o des Einkaufspreises ausmachen. Hierin sindenthalten Ausgaben für die Sackleinewand, das Umpacken in kleinereSäcke etc.; Wäge-, Lager-, Tragekosten; Abgaben an den „Konsul“des Hafenortes, sowie der Ausfuhrzoll; Trinkgelder aller Art andie Klosterbediensteten, die Zollwächter etc.
Die Spesen von der englischen Küste bis Florenz belaufensich dann noch einmal auf 8V4 fl. für 100 Pfd. Dabei ist zu be-merken, dafs die Seefracht verhältnismäfsig niedrig ist, nämlich2% fl. für die pocca, deren zwei auf einen Sack von 420 englischenbezw. 560 florentiner Pfunden zu rechnen sind; freilich beträgt dieSeeversicherungsprämie 12—15% des Wertes, also 200% und mehrder Fracht.
Das Schicksal unserer Wolle, nachdem sie in Florenz angelangtist, ist dann weiter dies: sie wird zunächst um etwa ein Drittelihrer Menge, das durch Seewasser oder sonstwie verdorben an-genommen wird, verringert, d. h. ein Drittel des Gewichts wirdals Tara abgezogen, sodafs 300 Pfd. brutto = 200 Pfd. netto sind.Die Preise gelten für das Nettogewicht. Und zwar kosten 100 Pfd.gute Wolle 40—50 fl., 100 Pfd. Mojana 30—35 fl., worauf in unsererSendung der achte Teil entfiel, sodafs also bei der Preisberechnungje V 8 zu 30—35, je 7 /s zu 40—50 fl. eingesetzt werden müssen;alsdann ergiebt sich folgendes Exempel:
300 Pfd. bi’utto kosten in Florenz einschliefslich Spesen, diesich, wie wir sahen, auf 130 % des Einkaufspreises belaufen, demHändler 72 fl.; 200 Pfd. netto, die in jenen 300 Pfd. brutto stecken,erzielen einen Verkaufserlös von 76—88 fl.; der Gewinn beträgtalso für jede 100 Pfd. 4—16 fl., d. i. 5%—22 oder durchschnittlich13%%. Man ersieht also, dafs trotz eines enormen Preisaufschlagesder wirklich erzielte Gewinn ein keinesweg übermäfsig hoher ist.
Natürlich soll nicht bestritten werden, dafs in anderen Fällenhöhere Reingewinne erzielt wurden. Nur möchte ich davor warnen,