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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
grofsen Stile sich zurückführen lassen. Das gilt insbesondere fürdie unten mitgeteilten Gewinnziffern der berühmten italienischenHäuser, die bekanntlich alles andere eher als Handelsunternehmungenwaren.
An zuverlässigen Angaben über wirklich auf das Geschäfts-vermögen berechnete Gewinnsätze sind mir aus dem Mittelalternicht mehr als folgende bekannt. Die Profite der Peruzzi be-trugen im Durchschnitt der Jahre 1308—1324 = 16%; diejenigender Bar di im Durchschnitt der Jahre 1310—1330 — 20% unddiejenigen der Strozzi im Durchschnitt der Jahre 1318—1339= 13,52 %h Die Handelsgesellschaft des B. Zink (1441) erzieltein drei Jahren einen Gewinn von 23%, also 7%% p. a. 1 2 . Scheuer 1verdiente 1449/61 durchschnittlich 24, 1451/61 durchschnittlich 14 % 3 .
Reicher fliefsen die Quellen für das 16. Jahrhundert. Mansollte denken, dafs hier durch den Einflufs des kolonialen Handels,an dem alle gröfseren Handelshäuser mehr oder weniger beteiligtwaren, durchgängig Kolossalprofite hätten erzielt werden müssen.Das ist aber keineswegs der Fall. Wenn auch einzelne Geschäfts-operationen, kurze, auf 2—3 Jahre geschlossene Gesellschaftsunter-nehmungen, grofse Gewinne abwarfen — die Expedition der Welser,Fugger u. a. nach Ostindien im Jahre 1505 soll bekanntlich einenGewinn von 175% ergeben haben —, so war doch die Gesamt-profitrate, auf einen Durchschnitt mehrerer Jahre berechnet, selbstin dieser Zeit allgemeiner Hausse keineswegs durchgehend so über-mäfsig hoch, wie der Laie gern annimmt. Sie betrug beispiels-weise im Handel der Welser 1502/67 durchschnittlich 9°/o p. a.;bei den Rem 1518/40 durchschnittlich 8 V 2 %; bei den Imhof1481/1523 durchschnittlich 8 8 ' 4 % 4 * * * .
Zur Bestätigung des Gesagten möchte ich noch ein paarWorte J. Hartungs anführen, aus denen hervorgeht, dafs dieserausgezeichnete Kenner der Handelsgeschichte zu ganz den meinenverwandten Ergebnissen gekommen ist. Er bemerkt zu den Ziffern,
1 R. Davidsohn, Forschungen zur Geschichte von Florenz 3 (1901),201 ff.
2 Chroniken der deutsch . Städte 5, 134.
3 Rieh. Ehrenberg, Das Zeitalter der Fugger 1 (1896), 390/91. Viele
Angaben über Gewinnhöhe im mittelalterlichen Handel sind deshalb nicht zu
verwenden, weil die Angabe der Zeitdauer fehlt, für welche die Gewinn-
rate berechnet ist. Das gilt z. B. für die Gewinne der Handelsgesellschaft
Hildebrand Vecklinchusen. Vgl. Stieda, Hans.-ven. Handelsbeziehungen(1894), S. 35 ff. und S. 162 ff., wo die Abrechnung im Original mitgeteilt ist.
3 Ehrenberg 1, 194. 227. 237.