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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Euch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

schon vermögende Leute waren, als sie Handel zu treiben begannen,oder aber nebenher ihr Vermögen erworben haben. Ich würdeantworten mit dem alten Pagnini, der seine meisterhafte Dar-stellung des ausgedehnten Handels der Florentiner Kaufleute mitden Worten schlofs:mi trovo . . in dovere di spiegare . . don-de ricavassero le somme necessarie per farlo nämlich ihrenHandel. Auch der Handel wird erst in grofsem Stile vermögen-bildend wirken können, wenn er erst einmal aus dem verhängnis-vollen Zirkel: kleiner Umsatz hohe Spesen geringe Proiit-mengen keine Accumulation, in dem wir ihn eingeschlossenfanden, herausgehoben ist.

So führt uns eine Reihe zwingender Erwägungen zu der Hypo-these: dafs die entscheidenden Momente der Kapitalbildungaufserhalb der Sphäre der normalen wirtschaftlichen Vorgängehandwerksmäfsigen Charakters aufgesucht werden müssen.

Exkurs I zu Kapitel IX.

Preisaufschläge und Spesenberechnungen immittelalterlichen Handel.

1. Freisaufschläge.

Tuchhandel. Die fünf Packen flandrischer Tücher, von deren Schicksalenuns Joh. Tölners Handelsbuch (13451350) berichtet, weisen beim Verkauffolgende Aufschläge auf den Einkaufspreis auf: 26%, 27%, 21%, 19%, 31%,also im Durchschnitt 25%. Joh. Tölners Handlungsbuch ed. K. Koppmann, .in den Geschichtsquellen der Stadt Rostock I (1885).

Ganz damit übereinstimmend sind die Preisaufschläge, die wir aus demTuchhandel Vickos von Geldersen kennen. Sie belaufen sich in den Jahren1370-1376 auf bezw. 15, 9, 18%, 19, 21%, 29%, 25Vs, 22%o, 12, 22% %. DasHandlungsbuch Vickos von Geldersen, ed. H. Nirrnheim (1895) LXVIII.

Johann Wittenborg kann in einem Palle (1356) auf Brüggesche Laken70%, ein anderes Mal (1353) auf den Einkaufspreis von 32 Stück PoperingerLaken aber nur 5% aufsclilagen. Das Handlungsbuch von Herrn. & Joh.Wittenborg; ed. C. Moll wo (1901), LXXI.

Hildebrand Vecklinchusen kauft (1409) eine Sarge in Köln für 2V* Duk.ein, für die er in Venedig 3 Duk. erlöst. Stieda, Hans.-ven. Handels-beziehungen (1894), 110.

20 Stück Tuch (panni bianchi di Cadix) werden in Cadix für fl. 256. 13. 4gekauft, in Florenz für 395 fl. verkauft; ein anderer Posten von 35 StückTuchen wird zu 207,6 fl. eingekauft, zu 408 fl. verkauft; ein dritter zu 262 fl.eingekauft, zu 300350 fl. verkauft; in einem vierten Posten kostet das Stückbeim Einkauf 20 fl., beim Verkauf 2628 fl.; in einem fünften bezw. 21 fl.und 3234 fl. Sämtliche Angaben bei Uzzano, 123130.