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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Neuntes Kapitel. Die Vermögensbildung etc.

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Pfeffer. Ein Posten Pfeffer, der auf der Messe von Troyes in derChampagne (13. Jahrh.) einen Erlös von 542 1. 16 s. 7 d. erzielt, hatte vonder Lombardei nach Troyes Transportkosten in Höhe von 88 1. 16 s. 1 d.verursacht, war also auf dieser Strecke um ca. 20% verteuert worden.A. Schaube in der Zeitschr. für Soc. und Wirtschaftsgesch. 5, 269/70. Wasganz mit den Angaben des Ulman Stromer tibereinstimmt, wonach 1 Ctr.Pfeffer in Genua 30 lb., in Nürnberg mit Spesen 34% lb. kostete, also durchden Transport auf dieser Strecke um etwa 15% verteuert wurde. Chron.deutsch. Städte I, 100 ff.

Ähnliche Spesen fallen auf Waren wie Feigen (Stieda, zur Charakte-ristik des kaufmänn. Privatverkehrs in Lübeck während des 15. Jahrh. in derZeitschr. des Ver. f. Lüb. Gesch. 6, 208), Wachs (Schaube a. a. O.), Zucker(Uzzano 1. c.), Saffran (Geering a. a. O.). Für letztgenannten Artikel habenwir eine genaue Transportkostenberechnung auf der Strecke Barcelona Konstanz . Es betrug danach der Fuhrlohn

BarcelonaAvignon 2 Gulden Ort pro Centner,

AvignonGenf . . 2 - 1 - -

GenfBern ... - 3 -

BernKostnitz . . 1 - - --

6 Gulden, der im 14. Jahrhundert, auf dassich diese Aufstellung bezieht, einen Metallwert von etwa 9 Mk. heutigerWährung hatte.

Bücher. Koberger schreibt in seinem Briefbuch, dafs er zum Transporteiner Mefsfracht nach Venedig und von da [nach Lyon 400 fl. für Fuhrlohnausgegeben habeund bedarf gut Glücks, dafs ich mein Hauptgut wiederkrieg. Geering, 333.

Angesichts solcher Ziffern, wie hier einige zusammengestellt sind, brauchenwir zur Erklärung gar nicht notwendig betrügerische Unterschleife anzu-nehmen (wie es Stieda im gegebenen Falle vielleicht mit Recht thut), wennwir Hans Francke, den Teilhaber der Handelsgesellschaft Hild. Vecklinchusen(Anfang des 15. Jahrh.) berichten hören: er habe von einem Warenposten5344 fl. Verkaufserlös gehabt, dagegen Spesenvor ungelt und vorlon undterynne 5312 fl. 10 gr. Stieda, Hans.-ven. Handelsbeziehungen, 174/75.Wir erinnern uns des Wanderers bei Leonardo Pisano .

Exkurs II zu Kapitel IX.

Über die objektive Möglichkeit hoher Preisaufschlägeim mittelalterlichen Handel.

Dafs zur Erklärung unseres Phänomens mit subjektivistisch-psyehologischenRäsonnements wenig oder gar nichts anzufangen ist, ist klar zu sehen: dafsdie Waren billig eingekauft wurden, weil sie niedrig von ihrem Verfertigeroder einem sonstigen Verkäufergeschätzt wurden, ist entweder falsch odereine Trivialität, ebenso wie umgekehrt die Konstatierung, dafs sie einen hohenVerkaufserlös erzielten, weil sie von dem Käufer hoch bewertet wurden.Was uns interessiert, ist die Ermittelung, wie die hohen Zuschläge ob-