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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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234 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

Quelle für Handelsgeschichte, über die Qualität der Käufer erfahren, bestätigtdie Annahme, dafs ein sehr grofser Teil Rentenbezieher war.

Vor allem sind es die Erzeugnisse des Ostens, die wohl ausschliefslichin den höheren Sphären der Gesellschaft ihre Abnehmer fanden. Man be-gegnete ihnen in grofsen Mengen in den Schlössern der Grofsen und an denHöfen der Fürsten . Insbesondere trat auch die Kirche als zahlungsfähigerKäufer orientalischer Produkte auf, deren sie zur Ausstattung ihrer Gebäude,zum Schmuck ihrer Diener und zur Verherrlichung ihrer Kulthandlungen be-durfte. Zu diesem Behufe fragte sie fortwährend Prachtgewänder, Behänge,Decken und Teppiche, Perlen und Edelsteine, Weihrauch und wohlriechendeStoffe nach. Vgl. z. B. H. Prutz, Kulturgeschichte der Kreuzzüge (1885), 45.

Ich lege auf diesen Umstand das gröfste Gewicht. Seine Würdigungist für das Verständnis mittelalterlicher Handelsbeziehungen unerläfslieheVoraussetzung. Denn offenbar ist alle Preisgestaltung durch ihn beeinflufst.Er bewirkt, dafs alle die genannten Waren ebenso wie die Rohstoffe unterihremWerte (in obigem Sinne) eingekauft, so über ihrem Werte verkauftwerden konnten. Werden konnten: darauf ist der Nachdruck zu legen.Denn sie wurden eben mit Rentenanteilen bezahlt, und damit war für die Höheihrer Preise jede Grenzbestimmung nach oben hinfällig geworden. Es kostetedem Ritter nicht einen Solidus mehr, wenn er für eine Mailänder Rüstungstatt des Jahreszinses von zwei oder zwanzig Bauern den von vier odervierzig bezahlte; wie es dem Abt des Klosters keine Schädigung an seinemleiblichen oder geistigen Wohlbefinden bereitete, wenn er für ein kostbaresMefsgewand oder ein paar Pfund Pfeffer den Ertrag von zwei oder dreiabgabenpflichtigen Hufen mehr erlegte. Was also hier die Händler beim Ver-kauf auf den Einkaufspreis zuschlagen, sind wiederum Landrenten.

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