Zehntes Kapitel.
Die Kapitalbildung durch Vermögensübertragung.
A. Die historisch überkommene Vermögensbildung.
Der alte Pagnini hat sein Versprechen, das wir ihn eben gebensahen, dann später auch eingelöst. Er hat in der That die Quelleangegeben, aus der seiner Meinung nach die reichen Handelsherrnseiner Vaterstadt ihr Vermögen, mit dem sie Handel in grofsemStil treiben konnten, geschöpft haben: es ist, meint er, ihre Thätig-keit als Bankiers der Kurie *. Auch wenn dieser Erklärungsver-such seitdem nicht von zahlreichen andern Schriftstellern aufge-griffen worden wäre, würde die Autorität, die einer der gröfstenWirtschaftshistoriker aller Zeiten mit vollem Recht geniefst, alleinuns verpflichten, seinen Gedankengängen nachzugehen.
Ehe ich das thue, möchte ich aber ein paar Worte zur Orien-tierung noch vorausschicken.
Das Problem, das wir hier zu lösen unternehmen, ist die Ent-stehung des Kapitals; d. h. also, wie wir wissen, die Bildunggröfserer Geldvermögen, die als sachliches Substrat einer kapita-listischen Unternehmung zu dienen bestimmt sind. Dieses Problemdeckt sich nun aber, wie ersichtlich, nicht völlig mit dem derBildung gröfserer Vermögen überhaupt. Letzteres ist umfassender.Es begreift in sich auch die Entstehung von Sachvermögen an solchenStellen wo, und von solcher Art, dafs ihre Verwandlung in Kapitalausgeschlossen ist. Ich denke an die Entwicklung urwüchsiger Gewalt-und Verfügungsverhältnisse überhaupt, aus denen sich ebenso wiedie socialen Über- und Unterordnungsbeziehungen auch die ersten
1 „La Corte di Roma servendosi de’ Banchieri per ritirar le sue rendite■da diversi luoghi del mondo, porgeva loro il commodo di accumulare deldenaro con darli una certa mercede dell’ opera.“ Deila dec. 2, 127.