238 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
kirchliche Abgabenwesen mehr hervor und überholt die grundherr-lichen Patrimoniengefälle und die lehnsrechtlichen Census an kassen-mäfsiger Bedeutung, um sich gegen Ende des Mittelalters zu jener„kirchlichen Universalfiskalität“ auszuwachsen, die schliefslich zurRevolution führt.
Was dem päpstlichen Finanzwesen die grofse historische Be-deutung verschafft, ist nun aber vor allem der Umstand, dafs dieFinanzwirtschaft der Päpste in hervorragender Weise die Tendenzzur Monetarisierung gröfserer Vermögensbezüge gefördert hat.Wir können deutlich verfolgen, wie es die durch die päpstlicheBesteuerung geschaffene Kumulierung zahlreicher Abgaben undLeistungen ist, die mit Notwendigkeit zu der Verwandlung derursprünglich vielfach naturalen Darbietungen in Geld hindrängt.So finden wir die Bezehntung in ihren Anfängen überall alsnaturale sich ursprünglich entwickeln: das war den meist na-turalen Einkünften der Bischöfe, Klöster etc. durchaus angemessen,„der Übergang zur Centralisierung bedingte die reine Geldwirt-schaft. Wie wäre es anders möglich gewesen, in aller Weltpäpstliche Zehntscheuern, Zehntkeller, Zehntspeicher u. dergl. kost-spielige Anlagen zu errichten“ ? Honorius III. gab 1217 den unga-rischen Bischöfen den Befehl, „ut vicesimam fideliter redigant inpecuniam“. Später sind naturale Lieferungen in Mittel- und Süd-europa nur noch selten, während sie im Norden lange Zeit nochandauern. Aber auch hier wird die Monetarisierung mit allenKräften zu bewerkstelligen versucht, so grofs die Schwierigkeitenoft genug waren. Dann mufsten wohl goldene oder silberne Ge-räte eingeschmolzen werden, um die fehlenden Geldbeträge zu er-schaffen h
Wir beobachten also, wie der päpstliche Steuerdruck inmitteneiner wesentlich naturalen Wirtschaft gröfsere Geldsummen gleich-sam aus der Erde stampft und in den Säckchen und Kisten derpäpstlichen Kollektoren sich zu beträchtlichen Mengen ansammelnläfst. Auch über die Höhe der solcherweise accumuliertenBeträge sind wir unterrichtet; wenigstens können wir aus denRechnungen, die für einzelne Jahre vorliegen, auf die regelmäfsigeinkomm enden Summen schliefsen. Im allgemeinen läfst sich sagen,dafs die früheren Annahmen von den ungeheuren Beträgen, überdie die Päpste verfügt haben sollen, stark übertrieben waren.
1 Gottlob, Kreuzzugssteuern, 236'37.