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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Zehntes Kapitel. Die Kapitalbildung durch Vermögensübertragung. 239

Immerhin handelte es sich für jene Zeit um sehr respektableSummen.

Die gröfsten Erträge lieferten wohl die sog.Kreuzzugs-zehnten , die seit Ende des 12. Jahrhunderts in periodischerWiederkehr bald auch zu andern Zwecken als demjenigen, demsie ursprünglich hatten dienen sollen, erhöhen wurden. Der besteKenner dieser Materie schätzt die Höhe der papalen Zehnterträgeim 13. Jahrhundert für die ganze Christenheit auf etwa 800 000 Pfd.tur. 1 ; das wären also etwa 1520 000 000 Mk. Metallwert heutigerWährung. Nun ist aber zu berücksichtigen, dafs diese Zehntennicht alljährlich, sondern in mehr oder weniger langen Zwischen-räumen erhoben wurden. Beispielsweise: 1199 1209 12251228 1238 1240 1243 . . . Ferner, dafs sich dieser Ge-samtertrag auf aufserordentlich viele Stellen verteilte und nirgendsin einer Centrale zusammenflofs, da nur ein geringer Teilbetragnach Rom abgeführt, das meiste vielmehr von der lokalen Sammel-stelle aus an den Verwendungsort direkt gebracht wurde. Dieregelmäfsig vom Papste kommandierten Summen waren erheblichgeringer als jener Ertrag eines Zehnten, und noch geringer dieBeträge, die nun tbatsächlich in den Tresors des heiligen Stuhls sichansammelten. Diese Einnahmen bezifferten sich im 14. Jahrhundertauf etwa 200250000 Goldgulden (ä 910 Mk.) jährlich und stiegenauch im nächsten Jahrhundert nicht erheblich über diesen Betrag.Zur Zeit Sixtus IV. werden die Einnahmen der apostolischenKammer auf 250 260 000 Dukaten angegeben; diejenigen Pius II. auf 300000 Dukaten. Zu dieser Summe sind noch etwa 100000 Du-katen zu rechnen, die nicht der Hauptkasse, aber doch derKurie zuflossen, sodafs sich deren Gesamteinnahme auf etwa400 000 Dukaten belief. Der Rest der Einkünfte kam nicht nachRom 2 . Immerhin waren die effektiven Einnahmen der Päpste be-deutend genug, um wenigstens einzelnen der Nachfolger Petri die An-sammlung gröfserer Vermögen zu gestatten. So hinterliefs Clemens V. einen Barschatz von 1000000, Johann XXII . (1316 34) einensolchen von 775000 Goldgulden 3 .

Gleichwohl wurden die Einnahmen der Päpste ganz erheblichüberflügelt von den Beträgen, die

1 Gottlob, Kreuzzugssteuern, 135.

2 Gottlob, Aus der Camera apostoliea, 257; derselbe im HistorischenJahrbuch 20, 669 sich stützend auf Ehrle, Prozefs über den Nachlafs Clemens V. im Archiv für Litteratur- und Kirchengeschichte 5, 147.

3 Nach Siigmüller, Der Schatz Johanns XXII. im Ilistor. Jahrb. 18,37 f.