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Zehntes Kapitel. Die Kapitalbildung durch Vermögensübertragung. 245
bestätigt, wenn wir die Inventare englischer 1 oder italienischer 2 3Kirchen durchsehen oder von dem reichen Besitz der FlorentinerAdelsgeschlechter an Gold- und Silbergerät in älterer Zeit lesen 8 .
Fiir unsere Zwecke ist es überflüssig, noch weitere Beispielezu erbringen für die im grofsen Ganzen unbestrittene Thatsache,dafs in dem Augenblick, als sich ein städtischer Reichtum zu ent-wickeln beginnt, der die Ära kapitalistischer Wirtschaft einzuleitenf bestimmt ist, sich eine starke Vermögensaccumulation an den be-
schriebenen Stellen bereits vollzogen hatte. So dafs es sich in einertibergrofsen Anzahl von Fällen bei der Entstehung der neuen Reich-tümer schlechterdings um nichts anderes als um einen Besitzwechsel,um eine Vermögensübertragung handelte.
Obwohl schon selber zum Teil dem neuen Zeitalter angehörig,müssen wir nun aber doch der Vollständigkeit halber als Punkte,an denen während des Mittelalters grofse Geldsummen Zusammen-flüssen, noch nennen
6. die städtischen Haushalte, an deren Brüsten dochsicherlich mancher homo novus sich sattgetrunken hat. Freilichstehen sie an Bedeutung weit hinter den bisher betrachtetenElementen zurück. Es wurde schon gesagt, dafs während des* Mittelalters wahrscheinlich nur die Stadthaushalte von Venedig,
Mailand und Neapel auch nur annähernde Einnahmen gehabthaben wie Papst und Könige. Nach einem Manuskript, dessenWert ich nicht beurteilen kann, sollen im Jahre 1492 Venedig1000 000 fl., Mailand und Neapel je 600000 fl. Einkünfte besessenhaben 4 . Dagegen wird von anderer Seite berichtet, dafs bereits1395 Gian Galeazzo Visconti, der erste Herzog von Mailand ,1200 000 fl. vereinnahmt habe 5 . Eine zuverlässige Ziffer kenneich für Bologna . Dortselbst beliefen sich 6 * im Jahre 1406 dieEinnahmen auf L. 320611, 18, 11. Für Florenz giebt Villani be-kanntlich 300000 fl. an. Alle übrigen italienischen Städte werdendiese Summe nicht erreicht haben. Mit Italiens Städten rivalisieren
1 Bei Ehymer, Foedera; cit. von Anderson 1, 309.r 2 Vgl. z. B. die Schenkungsurkunde bei C. A. Marin, Storia civile e
politica del Commercio de’ Veneziani 1 (1798), 273 f.
3 Davidsohn, Gesch. von Florenz 1, 762.
4 Arch. Flor. Carte Strozz. App. F. 11. p. 189; cit. bei F. Gregorovius,
Gesch. der Stadt Eom im Mittelalter 7 4 (1894), 342/43.
6 Nach Corio: Cihrario, Ec. pol. 3 2 , 200. Cibrario rechnet den Florin
mit L. 14,51 um; m. E. zu hoch.
6 Giov. Nie. Pasqu. Alidosi, Instruttione delle cose notabili dellacittä di Bologna . 1621. p. 35/36.